Sozialpolitische Initiativen zur Fachkräftesicherung

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Abbau von Anreizen zur Frühverrentung

Der ZDH fordert, die Anreize für eine Frühverrentung abzubauen, und setzt sich für attraktivere Bedingungen für eine längere Lebensarbeitszeit ein.

Die demografische Entwicklung in Deutschland wirkt sich massiv auf das Verhältnis von erwerbstätiger Bevölkerung und Rentenbeziehern aus. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung der Menschen hat sich die durchschnittliche Rentenbezugsdauer seit 1960 fast verdoppelt. Vor diesem Hintergrund wurde 2007 die schrittweise Anhebung der Regelaltersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung von 65 auf 67 Jahre beschlossen. Das Handwerk befürwortet die längere Lebensarbeitszeit, denn die Menschen werden nicht nur immer älter, sie werden auch gesünder älter als früher. Die Beschäftigung von älteren Menschen ist daher ein wichtiger Bestandteil der Fachkräftesicherung im deutschen Handwerk.

Die 2014 beschlossene abschlagfreie Rente ab 63 stellt in diesem Zusammenhang eine bedauerliche Kehrtwende der Politik zurück zur Frühverrentung dar, die der ZDH mit Nachdruck kritisiert hat. Die abschlagfreie Rente ab 63 hat zu direkten Kosten und Beitragsausfällen von rund 12,5 Mrd. Euro seit ihrer Einführung geführt. Auch die hohe Zahl von Antragstellern – ca. 1,2 Millionen seit 2014 – wirkt sich äußerst negativ auf die Erwerbsbeteiligung Älterer aus. Sie überlagert auch die positiven Signale, die die Politik mit der Flexi-Rente gesetzt hat, die den Menschen einen echten schrittweisen Übergang in den Ruhestand ermöglichen soll.

Familienpolitische Leistungen neu justieren

In Deutschland werden mehr als 200 Mrd. Euro für rund 160 verschiedene ehe- und familienpolitische Maßnahmen ausgegeben. Diese Familienpolitik ist teuer, aber nur mäßig erfolgreich. Angesichts von niedrigen Geburtenzahlen und einer unzureichenden Frauenerwerbstätigkeit fordert der ZDH in dem Positionspapier „Für eine Neujustierung familienpolitischer Leistungen“ ein Umsteuern – weg von der staatlichen Subventionierung hin zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Denn auch das Handwerk hat ein großes Interesse daran, dass die Frauenerwerbstätigkeit weiter steigt und das Potential der gut qualifizierten Frauen noch besser erschlossen wird.

Dringend notwendig ist es, das Angebot an öffentlicher Kinderbetreuung weiter auszubauen sowie die Regelungen zu überprüfen, die dazu beitragen, dass sich die Berufstätigkeit für einen Ehepartner (meist die Ehefrau) wenig oder gar nicht lohnt.