26.11.2019

Handwerk verdient Wertschätzung

Foto: ZDH/Boris Trenkel

Mit dem Mauerfall jährt sich in diesem Jahr zum 30. Mal ein Ereignis, das viele Deutsche zu Recht bewegt und glücklich gemacht hat. Die damals noch bevorstehende Wiedervereinigung bedeutete aber auch eine enorme Herausforderung für alle Menschen in Ost und West. Dass zusammengewachsen ist, was zusammengehört, ist maßgeblich das Verdienst des Handwerks: Es waren Handwerkerinnen und Handwerker, die in den ostdeutschen Bundesländern Städte saniert, Infrastruktur erneuert und kulturelles Erbe erhalten haben. Wir im Handwerk haben damals Deutschlands gemeinsame Zukunft gebaut.

Heute sind die gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen zwar andere als damals. Die Rolle des Handwerks aber hat sich nicht geändert: Wir sind es, die die Zukunft unseres Landes bauen. Zu den drängenden Problemen unserer Zeit gehören der Wohnungsmangel in Ballungsräumen und fehlende Infrastruktur im ländlichen Raum. Zu den gewaltigen, uns bevorstehenden Umbrüchen zählen die Energie- und Mobilitätswende und die Digitalisierung.

Wer wird all die Häuser und Fahrradwege bauen, die Deutschland braucht? Wer wird Gebäude energetisch sanieren und Glasfaserkabel verlegen? Wer wird die benötigten Fachkräfte ausbilden und Geflüchtete in Arbeitsmarkt und Gesellschaft integrieren? Die Antwort ist klar: Wir, das Handwerk.

Das Handwerk leistet damit ganz seinem Selbstverständnis entsprechend neben dem wirtschaftlichen auch einen enormen gesellschaftlichen Beitrag für unser Land. Und da reden wir noch gar nicht über das herausragende ehrenamtliche Engagement, das viele Frauen und Männer im Handwerk neben ihrem herausfordernden Beruf in ihrer Freizeit leisten. Ich finde: Diese Leistung verdient Anerkennung und das nicht nur in Worten, sondern auch finanziell. Es ist mehr als angemessen, dass die Politik das Handwerk entlastet.

Sicher ist es erfreulich, dass sich allmählich die Erkenntnis durchzusetzen scheint, dass das Handwerk für eine funktionierende Gesellschaft unerlässlich ist. Doch wenn es darum geht, das auch finanziell wertzuschätzen, hapert es in Gesellschaft wie Politik. Das kann man beispielhaft gut am Thema Ausbildung sehen. Akademische und berufliche Bildung gelten in Deutschland leider immer noch nicht gleich viel. Betrachtet man, wie stark beide Bildungswege finanziell gefördert werden, dann besteht ein starkes Ungleichgewicht zum Nachteil für die berufliche Ausbildung.

Deshalb fordern wir, Azubis und Studierende endlich finanziell gleichwertig zu behandeln und unsere Ausbildungsbetriebe und Azubis zu entlasten. Wer studiert, ist bis zum 25. Lebensjahr zumeist familienkranken- und pflegeversichert. Bei der Unfallversicherung übernehmen die Länder die Finanzierung für Studierende. Das muss auch für Azubis gelten. Denn unsere Betriebe und Azubis hätten dann weniger Abzüge. Das wäre ein wirklich starkes Zeichen der Wertschätzung des Handwerks und seiner Leistungen.