Entwicklungszusammenarbeit in der Praxis

Carpenter Training Male Apprentice To Use Mechanized Saw
Foto: AdobeStock/Monkey_Business

Das Engagement von Handwerksbetrieben und Handwerksorganisationen in der Entwicklungszusammenarbeit ist vielfältig. Die untenstehenden Berichte und Filme zeigen ausgewählte Aktionen und geben einen Eindruck von den Chancen und Herausforderungen.

Wie ein Freiburger Betrieb mit alten Fahrrädern Ressourcen schont

Aus zehn Schrotträdern vom Straßenrand bastelt das Ehepaar Buderer drei funktionierende Fahrräder und unterstützt Hilfsprojekte in Afrika. Seit 15 Jahren sagt es mit seiner Idee der nachhaltigen Fahrradaufbereitung in der Freiburger Werkstatt der Wegwerfgesellschaft den Kampf an. Das Familienunternehmen Bud`s Bikes (www.budsbikes.de) verbaut dabei kaum neue Teile. Alte Fahrräder werden von den Buderers und ihren Mitarbeitern geprüft und entweder repariert oder auseinandergebaut und die besten Teile zur Instandsetzung wiederverwendet. Die wenigen Teile, die nicht mehr verwendet werden können, werden fachgerecht in ihre Rohstoffe zerlegt und in den Wertstoffkreislauf zurückgeführt. Mit dem reinem Plastik, Metall oder Aluminium, das durch die Trennung sauber und pur entsteht, wird so weiteren Produktionsbetrieben kostengünstiges Recycling-Material mit vergleichbarer Qualität neuer Rohstoffe angeboten. Somit sind die Bud`s Bikes CO2-neutrale Verkehrsmittel.

In den letzten Jahren hat der Betrieb geschätzte 12.000 Fahrräder verarbeitet - eine enorme Leistung, die bisher von fünf Mitarbeitern erbracht wurde, darunter zwei Zweiradmechanikergesellen und ein Lehrling. In diesem Jahr konnten zwei weitere Mitarbeiter eingestellt werden. Neben Kontakten zu den regionalen Recyclinghöfen gibt es inzwischen eine Kooperation mit dem Garten- und Tiefbauamt der Stadt Freiburg, das die Schrottfahrräder am Hauptbahnhof und anderen neuralgischen Punkten abholt und zu Bud`s Bikes bringt, statt sie zu verschrotten. So entsteht so gut wie kein Müll.

Die enorme Menge an qualitativem Material erlaubt es den Buderers, die Grund-idee auch international zu verbreiten. In drei afrikanischen Ländern (Eritrea, Ghana und Kenia) unterstützen sie seit Jahren ähnliche Vorhaben und Projekte. Sie haben bereits um die 2.800 ausrangierte Fahrräder nach Afrika gespendet. Dort werden sie repariert und günstig verkauft, wodurch die Lebensqualität der Arbeiter durch Beschäftigung und Motivation sowie ihre wirtschaftliche Situation verbessert werden.

Durch das Interesse der Medien hat sich der Kundenstamm deutlich vergrößert. In dem Unternehmen steht die soziale Komponente im Vordergrund. Zum einen in Form von Nachhaltigkeit und Ressourcen-schonung, zum anderen in Form von moderaten Preisen für Einkommensschwache. 2012 erhielt Bud`s Bikes den Nachhaltigkeitspreis der Stadt Freiburg und wurde als Fachentsorgungsbetrieb zertifiziert. 2013 verlieh die Stadt dem Betrieb den Klimaschutzpreis für das Recycling von Altfahrrädern.

Quelle: www.deutsche-handwerks-zeitung.de, Pressemitteilung vom 23. Mai 2019; www.budsbikes.de; Stand August 2019

Austauschprogramm in Ruanda

Unter Studierenden ist es üblich, während der Studienzeit einen Blick ins Ausland zu werfen. Dies ist angehenden Handwerkern zumeist nicht vergönnt. Die INFORM GmbH hat zusammen mit der Handwerksinnung den Verein "Handwerk hilft" ins Leben gerufen und ein Austauschprogramm mit einer Ausbildungsschule in Kigali gestartet. Darüber werden jedes Jahr Auszubildende nach Ruanda gesendet, um in einer anderen Kultur zu lernen und zu arbeiten. Dadurch werden bei angehenden Handwerkern beider Länder interkulturelle Erfahrungen gefördert und die Persönlichkeitsentwicklung unterstützt.

INFORM hat beim Wettbewerb "Mein gutes Beispiel" 2019 den Preis in der Kategorie "Handwerk" gewonnen.

Solartechnik in Mosambik

Cambine ist ein kleines Dorf in Mosambik, 500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Maputo. Hier leistet die Solar- und Gebäudetechnik-Firma Stemberg seit vielen Jahren über die von ihr initiierte Partnerschaft ganz praktische Hilfe. Ziel: die Wasser- und Stromversorgung aufzubauen und zu modernisieren. Der letzte Großeinsatz war im März 2017. Wirbelsturm „Dineo“ mit Windgeschwindigkeiten von 170 km/h zerstörte viele Häuser, Schulen, Kliniken und große Teile der Infrastruktur. Die Firma Stemberg stellte mit fünf ihrer Mitarbeiter die Wasserversorgung in Cambine wieder her, öffnete provisorische Brunnen. Die Handwerker nahmen mit Helfern vor Ort das Stromnetz wieder in Betrieb. Zudem installierten sie eine Solaranlage für ein Waisenhaus.

Für sein Engagment in Mosambik hat Andreas Stemberg 2017 den Goldenen Bulli erhalten, den Volkswagen Nutzfahrzeuge jährlich an Handwerksbetriebe mit herausragendem gesellschaftlichen Engagement vergibt.

Berufsbildungspartnerschaft in Südafrika

Phumlani Vernon Simamane ist einer von 90 jungen Männer und Frauen, die im Construction Centre of Excellence im Esikhawini Campus Umfolozi TVET College in Richards Bay, Südafrika, eine Ausbildung als Anlagenmechaniker, Maurer oder Zimmerer nach dem Vorbild des deutschen dualen Berufsausbildungssystems absolvieren. Es ist ein Projekt im Rahmen der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderten Berufsbildungspartnerschaft zwischen der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf und dem Umfolozi TVET College, die im Herbst 2015 begann.

Der deutsche Partner hat nicht nur für den Bau der Ausbildungshalle gesorgt, sondern schulte mit seinen Mitarbeitern die Lehrer und Ausbilder des Colleges in Werkstattorganisation, Lehrgangsplanung, Controlling und Prozessoptimierung. Ziel ist es, die Berufsausbildung durch die Einbeziehung von Elementen der deutschen dualen Ausbildung praxisorientierter durchzuführen und auch die Unternehmen in der Region in die Ausbildung mit einzubinden.