Handwerk - immaterielles Kulturerbe

Im Dezember 2018 wurden 16 neue Ausdrucksformen und 2 Modellprogramme in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen:

Mehr als ein Viertel der aufgenommen Kulturformen betreffen handwerkliche Techniken und handwerkliches Können:

Mit Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland sowie dem Blaudruck wurden bereits zwei handwerkliche Ausdrucksformen aus dem Bereich des Handwerks auf die internationale Repräsentative Liste der UNESCO aufgenommen, das ist die Hälfte der deutschen Beiträge. Auch bei den Nominierungen ist das Handwerk wieder sichtbar vertreten: Von zwei Vorschlägen, die die Bundesrepublik dem Zwischenstaatlichen Ausschuss der Konvention gemacht hat, stammt wiederum einer, das Bauhüttenwesen aus dem Bereich des Handwerks. So zeigen auch die deutschen Beiträge für die internationale Liste sinnfällig, wie abhängig die Entstehung und Erhaltung von materiellem Kulturererbe von handwerklichem Wissen und Können ist.

(Sehen Sie hierzu auch die Ausstellung der Ausdrucksformen des handwerklichen Immateriellen Kulturerbes beim ZDH 2018)

Seit 2003 unterstützt die UNESCO den Schutz, die Dokumentation und den Erhalt von Kulturformen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Mehr als 500 Bräuche, Darstellungskünste, Handwerkstechniken und Naturwissen aus aller Welt stehen derzeit auf den drei UNESCO-Listen, darunter die Genossenschaftsidee- und praxis aus Deutschland, die arabische Kaffeekultur und der Tanz zur königlichen Trommel in Burundi. Bis heute sind 175 Staaten der UNESCO-Konvention zum immateriellen Kulturerbe beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat.

Nach der UNESCO Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes sind unter immateriellem Kulturerbe "Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten - sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume - zu verstehen, die Gemeinschaften, Gruppen und gegebenenfalls Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen. Dieses immaterielle Kulturerbe, das von einer Generation an die nächste weitergegeben wird, wird von den Gemeinschaften und Gruppen in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, in ihrer Interaktion mit der Natur und mit ihrer Geschichte fortwährend neu gestaltet und vermittelt ihnen ein Gefühl von Identität und Kontinuität, wodurch die Achtung vor der kulturellen Vielfalt und der menschlichen Kreativität gefördert wird. Das immaterielle Kulturerbe wird unter anderem in folgenden Bereichen zum Ausdruck gebracht:

a) mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksformen, einschließlich der Sprache als Träger des immateriellen Kulturerbes;

b) darstellende Künste;

c) gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste;

d) Wissen und Bräuche in Bezug auf die Natur und das Universum;

e) traditionelle Handwerkstechniken."

Die UNESCO-IKE Konvention von 2003 stellt eine wesentliche Erweiterung des allgemeinen Kulturerbe- und Kulturbegriffs dar, als sie auf die "tief reichenden wechselseitigen Abhängigkeit zwischen dem immateriellen Kulturerbe und dem materiellen Kultur- und Naturerbe" hinweist und damit das Wissen und Können breiter gesellschaftliche Schichten als grundlegende Voraussetzung für das Entstehen und den Erhalt von Kulturgütern anerkennt.

Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes

Bundesweites Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes

Register Gute Praxisbeispiele der Erhaltung immateriellen Kulturerbes in Deutschland

Die Konvention sieht vor, dass jedes Beitrittsland ein nationales Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes erstellt. In Deutschland existiert dieses seit 2014 mit derzeit 88 Kulturformen und 9 Modellprogrammen (Register Guter Praxisbeispiele) mit erfolgreichen und innovativen Programmen, Projekten und Tätigkeiten zur Erhaltung immateriellen Kulturerbes, die den Grundsätzen und Zielen des Übereinkommens in besonderer Weise entsprechen:

Unter den handwerklichen Beiträgen finden Sie u.a. (Jahr der Aufnahme):

  • Deutsche Brotkultur (2014)
  • Handwerksgesellenwanderschaft Walz (2014)
  • Orgelbau und Orgelmusik (2014)
  • Vogtländischer Musikinstrumentenbau in Markneukirchen und Umgebung (2014)
  • Reetdachdecker-Handwerk (2014)
  • Manuelle Fertigung von mundgeblasenem Hohl- und Flachglas (2015)
  • Blaudruck (2016)
  • Flechthandwerk (2016)
  • Mal-, Fass- und Vergoldetechniken der Kirchenmalerei (2016)
  • Hessischer Kratzputz (2016)
  • Porzellanmalerei (2016)
  • Zubereitung und Anwendung von traditionellem Kalkmörtel (2016)
  • Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald (2016)
  • Töpfertradition Westerwälder Steinzeug in und um Höhr-Grenzhausen, Kannenbäckerland, sowie Breitscheid (2016)
  • Drechslerhandwerk - Traditionelle Technik der mechanischen Werkstoffbearbeitung auf Basis rotierender Werkstücke (2018)
  • Die Bewahrung und Nutzung der Zeesboote in der Mecklenburg-Vorpommerschen Boddenlandschaft (2018)
  • Handwerksmüllerei in Wind- oder Wassermühlen (2018)
  • Die traditionelle kunsthandwerkliche Herstellung der Darßer Türen (2018)
  • Oberpfälzer Zoiglkultur (2018)
  • Manufakturelle Schmuckgestaltung (Gute Praxisbeispiel 2015)
  • Bewahrung und Förderung von Kultur, Vielfalt und Qualität regionaler Spezialitäten in Oberfranken (Gute Praxisbeispiel 2015)