Betriebsnachfolge – Chancen und Herausforderungen im Handwerk

Ein älterer Handwerker restauriert zusammen mit einem jüngeren Handwerker ein Autoteil.
Foto: AdobeStock/jackfrog

Die demografische Entwicklung fordert die deutsche Wirtschaft, nicht nur in Bezug auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel, sondern auch bei der Suche nach Betriebsnachfolgern für zahlreiche Unternehmen. Nach einer ZDH-Umfrage plant beinahe jeder vierte Inhaber seinen Betrieb innerhalb der nächsten fünf Jahre an einen Nachfolger zu übergeben (gut 18 Prozent) oder zu schließen (rund 7 Prozent). Dabei ist bei den kleineren Handwerksbetrieben mit bis zu vier Beschäftigten der Anteil der Inhaber, die ihren Betrieb schließen wollen, deutlich höher als bei den größeren Handwerksbetrieben. Betrachtet man lediglich die Betriebe, die aufgrund ihrer Struktur, Ausstattung und Größe als „übergabewürdig“ erscheinen, muss man mit mindestens 100.000 Handwerksunternehmen rechnen, die in den nächsten fünf Jahren einen Nachfolger, sei es in der Familie der Inhaber, in der Belegschaft oder extern, suchen werden.

Aktuelles

Drei Fragen an ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke zur Unternehmensnachfolge

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In den kommenden Jahren suchen viele Handwerksbetriebe eine Nachfolgerin oder Nachfolger. ZDH-Generalsekretär Schwannecke zu den Chancen für den Nachwuchs und Unterstützung für junge Gründer.
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Herausforderungen bei der Betriebsnachfolge

Die bundesweit aufgestellte Unternehmensbörse nexxt-change sowie die regionalen Betriebsdatenbanken der Handwerkskammern bringen jährlich Hunderte von Übergebern mit potenziellen Übernehmern zusammen. Dennoch ist nach wie vor die größte Hürde für einen erfolgreichen Übergabeprozess das Finden eines geeigneten Nachfolgers; die Zahl der potentiellen Übernehmer wird nämlich infolge der demografischen Entwicklung, aber auch aufgrund der attraktiven Beschäftigungssituation für qualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker, seit langem geringer.

Die wesentlichen Gründe für das nicht Zustandekommen von Betriebsübernahmen sind neben der mangelnden Übergabefähigkeit einiger Betriebe aufgrund von niedrigen Umsätzen (bei Kleinstbetrieben) und extremer Inhaberabhängigkeit (insbesondere bei Soloselbständigen) die zu hohen finanziellen Forderungen der Altinhaber („Altersversorgung“) und strukturelle Probleme vor Ort (z.B. Fortführung des Gewerbes in einem Wohngebiet bei einem Inhaberwechsel). Weitere Probleme bestehen in den Belastungen durch Erbschaft- bzw. Schenkungsteuern bei der familieninternen Übergabe, häufig werden aber auch technische Auflagen (Schwierigkeiten bei Um- und Ausbauten), die mangelnde Trennung von Betriebs- und Privaträumen sowie die Verpflichtung zur Übernahme aller Mitarbeiter (§ 613a BGB) zu Hemmnissen für die erfolgreiche Nachfolge.

Ein markantes Beispiel für hinderliche Vorgaben aus Gesetzen und Verordnung ist der Datenschutz: Bei der Übernahme einer Kapitalgesellschaft, z.B. einer GmbH, erwirbt man (im Rahmen eines sogenannten Share-Deals) automatisch die Kundendatei und kann diese in gleicher Weise wie die Vorbesitzer für das Marketing nutzen. Übernimmt man dagegen eine Personengesellschaft, wechselt also formal die natürliche Person, die das Unternehmen besitzt, müssen nach der aktuellen Rechtslage alle Kunden befragt werden, ob die Angaben weiter für das Unternehmen verwendet werden dürfen. Es entscheidet also bei der Betriebsübergabe allein die Rechtsform des Unternehmens über den Datenschutz für Kunden. Das macht keinen Sinn: warum sollten Kunden einer Personalgesellschaft schutzbedürftiger als die einer Kapitalgesellschaft sein? Zudem belastet diese Ungleichbehandlung gerade die Rechtsform, die von kleinen Betrieben genutzt wird und deren Veräußerung aufgrund der tendenziell niedrigeren Fungibilität ohnehin schwieriger ist.

Unterstützung bei der Nachfolge ist unverzichtbar


Die Beteiligten bei einer Betriebsnachfolge benötigen in aller Regel eine umfassende, interdisziplinäre und damit zeitaufwendige Beratung, um den Generationenwechsel erfolgreich zu bewältigen. Hier leisten neben den freiberuflichen Unternehmensberatungen, die eher für größere Projekte eingesetzt werden, unsere Fachverbände und Handwerkskammern einen wesentlichen Beitrag. Das Beratungswesen der deutschen Handwerksorganisation besteht aus einem Netzwerk mit gut 900 Betriebsberatern. Rund ein Drittel der fast 100.000 durchgeführten Betriebsberatungen p. a. unterstützen Existenzgründungen und Übernahmen, gerade für die kleineren Betriebe.

Besondere Bedeutung bekommt die Moderationenfunktion der Berater. Der Berater bzw. die Beraterin der Handwerksorganisation ist neutral, vertritt die Interessen des abgebenden und gleichzeitig des übernehmenden Handwerkers. Diese Position ist nicht immer einfach. Aber gerade dieses Angebot wird bei der Übergabe besonders geschätzt. Diverse Umfragen bei den Beratenen zeigen die hohe Zufriedenheit mit unseren Beratungsleistungen. Inzwischen richten viele Handwerksorganisationen Mediatorenstellen ein, die auch bei der Begleitung von Betriebsübernahmen eingesetzt werden, um das Erreichen einer Konfliktlösung noch effektiver zu unterstützen. Diese Beratungen beinhalten neben den zahlreichen grundsätzlichen Fragestellungen zur Betriebsführung die Betreuung der Nachfolgeinteressierten bei der Suche von geeigneten Betrieben, Unterstützung bei der Unternehmensbewertung und damit der Ermittlung eines fairen Kaufpreises, die Planung der Finanzierung (Hilfe bei der Verhandlungsführung mit den Kreditinstituten) sowie die Beratung bei der Erarbeitung und Umsetzung des Unternehmenskonzeptes nach der Übernahme.

Ermittlung eines fairen Kaufpreises


Die von Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern in der Regel eingesetzten Bewertungsverfahren stammen aus der Industrie und bilden nicht die tatsächliche Ertragskraft von Handwerksunternehmen ab. Damit die Berater einen fairen Unternehmenswert ermitteln können, wurde im Handwerk der inzwischen als „branchenübliches Verfahren“ von der Finanzverwaltung anerkannte Bewertungsstandard des AWH (Arbeitsgemeinschaft der Wert ermittelnden Berater im Handwerk) entwickelt. Die mit diesem Verfahren ermittelten Unternehmenswerte werden in aller Regel von Käufern und Verkäufern vollumfänglich angenommen und dienen daher zur Findung eines adäquaten Übernahmepreises, der beide Parteien zufriedenstellt und auch von Kreditinstituten und Behörden akzeptiert wird.

Gründung oder Übernahme?


Eine Betriebsübernahme stellt eine Herausforderung dar, die durchaus mit einer Neugründung vergleichbar ist. Auch wenn es ein lukrativer Vorteil ist, ein gut funktionierendes Unternehmen mit eingearbeiteten Mitarbeitern und festem Kundenstamm zu übernehmen. Ins „gemachte Nest“ setzen, kann man sich nicht. Die Übernahme eines bestehenden Unternehmens erfordert ebenso wie die Gründung ein innovatives und schlüssiges Unternehmenskonzept. Für beide gilt: Wenn sich Handwerksbetriebe auf ihre besonderen Stärken konzentrieren und in ihrem Marktsegment kundengerechte, individuell auf die Wünsche der Verbraucher zugeschnittene und qualitativ hochwertige Leistungen anbieten, dann haben sie eine sehr reelle Chance sich vom Markt positiv abzuheben und überdurchschnittliche Erfolge zu erzielen. Daher sind Neugründungen und Betriebsnachfolgen gleichermaßen zu fördern und in der Kommunikation als attraktive Varianten mit spezifischen Besonderheiten zu erwähnen.

Fazit


Um den demografischen Wandel zu meistern, sind Mittelstand und Handwerk zukünftig mehr denn je auf innovative und kreative Unternehmer angewiesen. Unser Land braucht dynamische und entschlossene Unternehmer mit guten Ideen, um sich als erfolgreicher Wirtschaftsstandort in Zukunft zu behaupten. Erfolgreiche Betriebsübernahmen schaffen nicht nur neue Arbeitsplätze und höhere Steuereinnahmen, sondern verhelfen der Wirtschaft zu einer höheren Dynamik, beschleunigen die notwendigen strukturellen Anpassungsprozesse und führen häufig zu neuen, innovativen Produkten und Leistungen, die für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft von hoher Bedeutung sind.

Viel zu wenig junge Menschen sehen in einer Selbständigkeit ein anzustrebendes Lebensziel. Die Bedeutung des Unternehmertums ist vielfach nicht bekannt oder wird falsch eingeschätzt. Insbesondere Schüler wissen nur sehr wenig über die soziale Marktwirtschaft und ihre Prinzipien. Nicht nur wir Wirtschaftsverbände, auch die Schüler selbst machen übrigens auf dieses Defizit aufmerksam. Hier müssen Bund und Länder noch effektivere Maßnahmen einleiten, um Unternehmertum und Wirtschaftsverständnis den jungen Menschen nahe zu bringen.

Wichtig ist, dass die Bundesregierung und die Bundesländer neben der Intensivierung von Sensibilisierungs- und Fördermaßnahmen zahlreiche bürokratische bzw. gesetzliche Vorgaben für Betriebsübernehmer auf den Prüfstand stellen und Erleichterungen für die Betroffenen realisieren. U. a. gilt dies für die uneingeschränkte Weiterführung von Betriebsnutzungsgenehmigungen (z.B. in Wohngebieten). Die Unternehmensnachfolgen dürfen nicht durch Verschärfungen der Erbschaftsteuer und weiterer Gesetze, wie zum Beispiel der Grunderwerbsteuer, erschwert werden. Es ist sicherzustellen, dass die Fortführung des Betriebes durch die Erben aufgrund der Substanzsteuer nicht gefährdet wird.

In der öffentlichen Kommunikation müssen dabei Betriebsübernahmen als attraktive Gründungsform beworben werden. Wenn sich aufgrund der demografischen Entwicklung weniger qualifizierte Nachfolger für erfolgreiche Unternehmen finden, müssen wir noch stärker motivieren und unterstützen.

ZDH-Sonderumfrage

Vater zeigt seinem Sohn den Umgang mit der Säge in einer Werkstatt.

Mit der ZDH-Sonderumfrage zur Betriebsnachfolge im Handwerk sollen aktuelle Informationen über die in den nächsten Jahren anstehenden Betriebsübergaben sowie die Erfahrungen mit und den Bedarf an Unterstützungsangeboten aus Sicht der einen Betrieb übergebenden Inhaber gewonnen werden.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, an der Befragung teilzunehmen!

Zur Umfrage

Wieviel ist mein Betrieb wert?

Die Arbeitsgemeinschaft der Wert ermittelnden Betriebsberater im Handwerk (AWH) hat zur Bestimmung des Unternehmenswerts ein Bewertungsverfahren speziell für Handwerksunternehmen entwickelt.

Zur AWH

nexxt-change

Um das "Matching" zwischen Betrieben und möglichen Nachfolgerinnen und Nachfolgern zu erleichtern, soll die Unternehmensbörse nexxt-change eine Lücke schließen.

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Auf dem Boden der Tatsachen

Frau mit Brille kniet über dem Boden und misst etwas nach.

Für Anja Krölls-Rademakers steht schon mit 16 Jahren fest: Sie möchte Fliesen-, Platten- und Mosaiklegerin werden und den Familienbetrieb übernehmen.

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Ihr Ansprechpartner

Rolf Papenfuß
Referatsleiter
Tel: +49 30 206 19-323
E-Mail: papenfuss(at)zdh.de