26.08.2019

Skandinavien: Hohe Zahlungsrisiken in der Baubranche

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Skandinavien weist im Firmengeschäft mit ausländischen Unternehmen zunehmende Forderungsrisiken auf. In Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland erhöhte sich zuletzt die Gefahr von Liquiditätsengpässen insbesondere bei Abnehmern aus den Branchen Bau und Handel. Das ergab eine interne Analyse des internationalen Kreditversicherers Atradius.

Die Gefahr eines Forderungsausfalls ist in Skandinavien weiterhin deutlich höher als vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. 2018 haben sich die Insolvenzzahlen in den Ländern merklich erhöht. In Finnland gab es eine Zunahme der Firmenaufgaben um 17 % gegenüber 2017, in Schweden um      13 %, in Norwegen um 12 % und in Dänemark um 7 %. Für das laufende Jahr rechnet Atradius für Schweden mit einem weiteren Anstieg der Insolvenzen um 3 %. Für Dänemark und Norwegen wird eine Stagnation erwartet, in Finnland dürfte die Zahl um 2 % zurückgehen.

Seit 2017 hat sich die Stimmung in der skandinavischen Bauwirtschaft merklich abgekühlt. Besonders der Wohnungsbaumarkt wirkt mehr und mehr gesättigt.  Unternehmen, die in neue Apartments in Großstädten investiert haben, finden immer schwieriger Käufer für ihre Objekte. Die Zahl der unverkauften Wohnungen stieg zuletzt in Stockholm besonders stark: von rund 1.500 Einheiten im Jahr 2016 auf über 8.000 im vergangenen Jahr. Gleichzeitig sind die Preise für neu gebaute Wohnungen in der schwedischen Hauptstadt um 6 % gefallen. Im Raum Oslo gab es eine ähnliche Entwicklung. Der gewerbliche Gebäudebau hat sich in Schweden und Norwegen seit dem letzten Jahr stark abgeschwächt. Dadurch sinkt die Liquidität der Baufirmen entlang der Produktionskette und erhöht das Zahlungsrisiko für deren Lieferanten und Dienstleister. Mehr als jede vierte Firmeninsolvenz in Norwegen fällt auf ein Unternehmen aus dem Bausektor.

Quelle: Nachrichten für Außenhandel Nr. 143 vom 29. Juli 2019