19.02.2018

Wachstum mit Risiken

Im dritten Quartal 2017 lag das Wirtschaftswachstum der rumänischen Wirtschaft mit einem Plus von 8,6 % deutlich über den Erwartungen. 2015 betrug das Wachstum bereits 3,9 %, 2016 lag es bei 4,8 %. Damit ist Rumänien derzeit Europas dynamischste Volkswirtschaft.

Die Folgen des Booms spürt besonders Deutschland als wichtigster Handels-partner Rumäniens. Die deutschen Ausfuhren in das Land sind in 2016 um elf Prozent gestiegen. Auf der Liste der wichtigsten Exportmärkte deutscher Firmen rangiert Rumänien inzwischen vor Mexiko und Indien auf Rang 21. Vor Ort operieren 7.500 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung, die in den letzten Jahren über 250.000 neue Jobs im Land geschaffen haben.

Ein Grund für den Aufschwung sind die Löhne und Gehälter, die in der Region im Vergleich zur Eurozone immer noch verhältnismäßig gering sind. Der Durchschnittsverdienst liegt bei umgerechnet 450 EUR. Die Vielzahl gut ausgebildeter Fachkräfte besonders im Bereich IT und Kommunikations-technologie eröffnet Firmen zudem die Möglichkeit, das Land in ihre europäischen Fertigungsketten zu integrieren. Besonders stark wuchsen 2016 die Elektrotechnik (+ 13,7 %), die Autoindustrie (+ 9,3 %) sowie die Petrochemie (+ 8,1 %).

Folge dieser erfreulichen Entwicklung sind sinkende Arbeitslosigkeit und steigende Gehälter. Die Löhne wachsen im Schnitt jährlich um rund zehn Prozent, in einigen Branchen sogar um 25 % und mehr. Trotz der exzellenten Wachstumszahlen riskiert Rumänien wegen einer expansiven, schuldenfinanzierten staatlichen Ausgabenpolitik sowie Steuersenkungen die Eröffnung eines EU-Defizitverfahrens. Zudem bleiben notwendige Strukturreformen aus. Kritiker sehen dabei ähnliche Fehler wie sie auch in Griechenland gemacht wurden.

Quelle: www.spiegel.de, Pressemitteilung vom 14. Dezember 2017