21.02.2019

Österreich: Unterschiede zu Deutschland im Arbeitsrecht

Obwohl das deutsche dem österreichischen Rechtssystem sehr ähnlich ist, gibt es im Arbeitsrecht beider Länder relevante Unterschiede. Im österreichischen Arbeitsrecht wird noch zwischen Arbeiter und Angestellten unterschieden, wodurch unterschiedliche Gesetze, Kollektivverträge und ähnliches zur Anwendung kommen können.

Hinsichtlich der Kollektivverträge (Tarifverträge) ist in Österreich die Bindung wesentlich flächendeckender als in Deutschland, es gibt nur wenige Branchen oh-ne Kollektivverträge. Von deutschem Recht abweichende Regelungen wie Anspruch auf Abfertigung bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses oder die einmonatige Probezeit betreffen nicht nur deutsche Unternehmen, die in Österreich gründen. Sie gelten teilweise auch, wenn trotz angewandtem deutschen Recht das Arbeitsverhältnis enge Beziehungen zu Österreich aufweist oder international zwingendes Recht (zum Beispiel hinsichtlich Kündigungsschutz oder Arbeitsrecht) einschlägig ist.

Die maximale Arbeitszeit ist in Österreich streng geregelt. Die tägliche Normalarbeitszeit darf 8 Stunden und die wöchentliche Normalarbeitszeit 40 Stunden nicht überschreiten. Bei einer Dienstzeit unter 25 Jahren beträgt der Urlaubsanspruch 30 Werktage pro Jahr und erhöht sich danach auf 36 Tage. Nach dem Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungsgesetz sowie Heimarbeitsgesetz gelten Sonderregelungen. Die bisherige Unterscheidung zwischen Arbeitern und Angestellten im Hinblick auf die Entgeltfortzahlung wurde zum 1. Juli 2018 aufgehoben und die Regelungen im EFZG und AngG angeglichen. Bei Arbeitern beträgt die Kündigungsfrist seitens des Arbeitgebers grundsätzlich 14 Tage, bei Angestellten sechs Wochen zum Quartalsende. Sie erhöht sich nach dem vollendeten zweiten Dienstjahr auf zwei Monate, nach dem fünften auf drei, nach dem 15. auf vier und nach dem 25. auf fünf Monate. Bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber hat der Arbeitnehmer das Recht auf Gehalt bis zum Ende der Kündigungsfrist, anteilsmäßige Sonderzahlungen und Abgeltung des Urlaubsanspruchs durch eine Ersatzleistung. Der Resturlaub aus vorangegangenen Jahren muss voll abgegolten werden und es besteht Anspruch auf Abfertigung (Abfindung).

Quelle: Märkte der Welt Nr. 48 vom 29. November 2018