06.09.2018

Kroatien: Flexible Arbeitsverhältnisse als Weg aus der Krise

Trotz einer im EU-Vergleich sehr niedrigen Beschäftigungsquote und anhaltendem Fachkräftemangel entwickelt sich der kroatische Arbeitsmarkt weiterhin positiv. Mit 1.079 Euro waren die durchschnittlichen Bruttomonatslöhne 2017 höher als in Ungarn und der Slowakei, wenn auch um ein Drittel niedriger als in Slowenien. Die Arbeitslosigkeit geht seit 2013 kontinuierlich zurück und liegt in diesem Jahr bei 9,2 %. Prognosen der Europäischen Kommission zufolge wird sie 2019 auf 7,5 % sinken, damit aber weiter über dem Durchschnitt der EU-Länder liegen.

In ihrer jüngsten Analyse vom März lobt die EU-Kommission die 2014 vollzogene Reform des Arbeitsrechts, die eine leichtere Einstellung und Entlassung von Arbeitnehmern ermöglicht. Dazu zählen sowohl die Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen bei Tele-, Zeit-, Saison- und Teilzeitarbeit als auch eine erleichterte Anwendung von befristeten Arbeitsverträgen.

Das neue Arbeitsgesetz erlaubt eine flexiblere Arbeitszeitverteilung, unter anderem weil die maximale Wochenarbeitszeit auf 50 Stunden pro Woche und im Rahmen einer kollektiven Vereinbarung sogar auf 60 Wochenstunden verlängert werden darf. Dies kommt hauptsächlich dem Bedarf des Touristiksektors in den Sommermonaten entgegen. Ein solches Modell kann für eine Dauer von einem Monat bis zu einem Jahr eingeführt werden. Flexibilisiert wurde zudem die Arbeitnehmerentleihung über Vermittlungsagenturen. Diese Arbeitsverhältnisse dürfen jetzt bis zu drei Jahren dauern. Zusätzlich können zeitlich befristete Arbeitsverträge nun auch Verwendungen im Ausland umfassen.

Das Arbeitsgesetz ist auf Kroatisch online abrufbar: www.zakon.hr/z/307/Zakon-o-radu. Eine englische Übersetzung gibt es unter: www.mrms.hr/wp-content/uploads/2015/03/labour-act.pdf.

Quelle: Märkte der Welt Nr. 26 vom 28. Juni 2018