25.10.2019

Frankreich: Chancen für deutsche Werkstätten bei der Restaurierung von Notre Dame

AdobeStock/Guillaume

Im August hat das französische Parlament ein Gesetz zur Restaurierung von Notre Dame verabschiedet. Es organisiert die Verwaltung der Mittel, die in den vergangenen Monaten nach dem Brand über verschiedene, auch künftig weiterlaufende Sammelaktionen zusammengekommen sind.

Die französische Regierung wollte sich im Gesetzestext nicht auf eine Wiederherstellung des Gebäudezustandes vor dem Brand festlegen. Von einem Wiederaufbau kann derzeit aber noch keine Rede sein. Die Sicherungsarbeiten dauern an, noch immer werden Teileinstürze befürchtet. Wegen der Einsturzgefahr musste eine große Anzahl von Fenstern ausgebaut werden. 37 Fenster aus dem 19. und 20. Jahrhundert sind stark verdreckt und haben Sprünge durch die Hitze, so dass sie alle zeitaufwändig restauriert werden müssen. Ein großes Problem ist auch Blei. Die Dachhaut der Kathedrale über dem Holzgebälk war aus Blei, welches durch die Hitze teilweise verbrannt ist und viel verschmutzt hat. Winzige Bröckchen und Kristalle stecken in den Orgelpfeifen und finden sich überall auf Wänden, Fenstern und Möbeln. Aktuell wird auch der Boden auf eine Bleikontamination untersucht. Das ganze Gebäude ist zudem nass durch die Löscharbeiten. Bis zur vollständigen Trocknung werden zehn Jahre veranschlagt. Ein Gutachten über Zustand und Umfang der durchzuführenden Arbeiten soll bis März 2020 erstellt werden. Die vollständige Restaurierung des Dachstuhls und des Daches dauert vermutlich 10 bis 15 Jahre.

Zur Wiederherstellung des Daches will die Regierung einen Ideenwettbewerb und eine öffentliche Diskussion durchführen. Es gibt genügend qualifizierte Handwerksfirmen, um die Arbeiten sachgemäß durchzuführen. Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut BSI Economics würden spezialisierte Handwerksfirmen das äußerst medienwirksame Projekt anderen Vorhaben vorziehen. Es gibt auch deutsche Werkstätten, die beispielsweise einige der ausgebauten Fenster restaurieren können. Denkbar ist, dass die Kirchenfenster von Notre-Dame nach Deutschland transportiert und dann zum Beispiel in einer der Dombauhütten des Kölner Doms restauriert werden. Sobald die Reinigungsmethode der Wände festgelegt ist, können sich auch deutsche Steinrestauratoren einbringen. Denkbar ist dabei eine Förderung durch die deutsche Regierung. Aber auch von Spendengeldern an Fördervereine und Stiftungen könnten die Arbeiten der deutschen Restauratoren bezahlt werden.

Quellen: www.vaticannews.va, Pressemitteilung vom 19. September 2019;
                 Nachrichten für Außenhandel Nr. 152 vom 9. August 2019