Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge 2012 - Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung

Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt ins Stocken geraten

Nach der am 15. Dezember 2012 durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bekanntgegebenen Ausbildungsbilanz auf der Basis der Erhebung der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit Stichtag 30. September 2012 und der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurden bundesweit 551.271 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, 18.108 bzw. 3,2 Prozent weniger als im Vorjahr. In Westdeutschland sank die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 12.516 bzw. -2,6 Prozent auf 472.368, in Ostdeutschland um 5.592 bzw. -6,6 Prozent auf 78.903.

Damit ist die Entspannung auf dem Ausbildungsmarkt im Jahr 2012 ins Stocken geraten. Das Ausbildungsplatzangebot ist im Vergleich zum Vorjahr um 14.500 Plätze (-2,4 %) auf rund 584.500 gesunken. Als Ursachen werden die nachlassende Konjunktur, das geringere Angebot betrieblicher Ausbildungsplätze sowie der Abbau des außerbetrieblichen Ausbildungsplatzangebots gesehen.

Rückläufig war in diesem Jahr auch die Ausbildungsplatznachfrage, bedingt durch die demografische Entwicklung. Da das sinkende Ausbildungsplatzangebot mit einer gleichzeitig sinkenden Nachfrage einherging, sind die Ausbildungschancen der Jugendlichen insgesamt gesehen nahezu unverändert geblieben. Sinkendes Angebot und sinkende Nachfrage haben jedoch dazu geführt, dass bundesweit in diesem Jahr lediglich 551.300 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden sind.

Veränderungen in den Wirtschaftsbereichen 

Zuständige Stelle

Neuverträge

Veränderung zum Vorjahr

in Prozent

absolut

Industrie und Handel

332.622

-3,0

-10.161

Handwerk

147.327

-4,6

-7.179

Öffentlicher Dienst

12.102

-2,4

-300

Landwirtschaft

13.260

-1,7

-222

Freie Berufe

43.014

+0,9

+402

Hauswirtschaft

2.763

-17,4

-582

Seeschifffahrt

183

-26,6

-66

Insgesamt

551.271

-3,2

-18.108

Angaben Neuverträge ohne Anschlussverträge

Ungeachtet des insgesamt sinkenden Ausbildungsplatzangebotes nahm die Zahl der noch unbesetzten Stellen zu, die Quote der unbesetzten Ausbildungsplätze stieg auf 5,7 Prozent. Ein so hoher Wert wurde zuletzt 1996 registriert. Gleichzeitig ist die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber, die zum Stichtag weiterhin auf Ausbildungsplatzsuche sind, gestiegen und umfasst nun 76.000 Personen.

Für die Sicherung des Fachkräftenachwuchses sind die größten Herausforderungen der kommenden Jahre die negative demografische Entwicklung und die "Passungsprobleme" zwischen Angebot und Nachfrage.

Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Handwerk

Im Handwerk wurden 147.327 neue Ausbildungsverträge und 1.932 Anschlussverträge abgeschlossen. Das entspricht einem Rückgang von Minus 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Westdeutschland sank die Zahl um 5.808 bzw. -4,3 Prozent, in Ostdeutschland sank die Zahl der Neuverträge um 1.374 bzw. -6,8 Prozent. Nach Erreichen der Talsohle im Jahr 2011 hat sich die Zahl der Jugendlichen, die ihre Schulzeit beenden, wieder stabilisiert und wird in der nächsten Zeit auf niedrigem Niveau verharren. Die Schulabgängerzahlen in Westdeutschland sind in den Jahren 2011 bis 2013 geprägt durch doppelte Abiturjahrgänge in verschiedenen Bundesländern. Das führte zu einem Anstieg der Schulabgängerzahlen. Ab 2014 werden sie jedoch kontinuierlich sinken.

Außerbetriebliche Ausbildungsverträge

Im Jahr 2008 ist das neue Merkmal "Finanzierungsform" eingeführt worden. Nach wie vor ist ein Vergleich zum Vorjahr nur eingeschränkt möglich, da zwei Handwerkskammern keine Daten und eine Kammer falsche Daten geliefert haben. Werden die Ergebnisse nur derjenigen Handwerkskammern berücksichtigt, die in beiden Jahren Daten lieferten, ist bundesweit ein Rückgang an außerbetrieblichen Ausbildungsplätzen von -12,6 Prozent statt -5,9 Prozent zu verzeichnen. Die Entwicklung ist in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich. In Ostdeutschland ist der Anteil der außerbetrieblichen Ausbildungsplätze um 20,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Werden in Westdeutschland nur diejenigen Kammern berücksichtigt, die in beiden Jahren gemeldet haben, lässt sich ein Rückgang von
 - 10,1 Prozent der außerbetrieblichen Ausbildungsplätze feststellen. 

Entwicklung nach Berufen

Die zehn stärksten Ausbildungsberufe umfassen 92.262 Ausbildungsverhältnisse im Jahr 2012. Das sind 4,9 Prozent (-4,747) weniger als im Vorjahr. In nur wenigen Berufen konnten Zuwächse verzeichnet werden. Dies gelang in folgenden Ausbildungsberufen: Anlagenmechaniker Sanitär Heizung Klimatechnik (+0,7 Prozent, absolut 74), Mechaniker für Land- und Baumaschinen (+4,3 Prozent, absolut 88), Mechaniker für Kältetechnik (+3,2 Prozent, absolut +35), Schornsteinfeger (+24,7 Prozent, absolut 151), Orthopädiemechaniker und Bandagist (+12,7 Prozent, absolut +52) und Sattler (+20,0 Prozent, absolut +26). 

Insgesamt sind in den meisten Berufen gegenüber dem Vorjahr weniger Verträge neu abgeschlossen worden. Besonders starke Rückgänge finden sich in den Ausbildungsberufen:
Bäcker (-14,4 Prozent, absolut -567), Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (-10,5 Prozent, absolut -1.104), Fleischer (-12,8 Prozent, absolut – 235), Konditor (-6,7 Prozent, absolut -134), Fahrzeuglackierer (-6,8 Prozent, absolut -175), Bauten- und Objektbeschichter (-14,5 Prozent, absolut -172), Maler und Lackierer(-13,9 Prozent, absolut -638), Friseur (-4,9 Prozent, absolut -611), Kraftfahrzeugmechatroniker (-2,3 Prozent, absolut -439) und Kraftfahrzeugservicemechaniker (-17,4 Prozent, absolut -264), Maurer (-3,0 Prozent, absolut -110), Metallbauer (-6,1 Prozent, absolut -445), Tischler (-4,2 Prozent, absolut -347) und Zahntechniker (-10,2 Prozent, absolut -231). Das sind auch vor allem Berufe in denen zahlreiche Ausbildungsplatzangebote unbesetzt blieben. 

Der im Jahr 2009 mit 27,2 Prozent höchste erreichte Frauenanteil sinkt in den letzten drei Jahren und beträgt nun im Jahr 2012 24,7 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr sind es 0,3 Prozentpunkte weniger. Handwerksberufe sind dennoch auch für junge Frauen attraktiv, so steigen die Anteile der jungen Frauen und Mädchen - zwar sehr langsam, aber stetig – in einigen Berufen, wie folgende Beispiele belegen: 

Beruf

2004

2012

Bäcker/in

18,5 Prozent

23,4 Prozent

Feinwerkmechaniker/in

1,9 Prozent

4,3 Prozent

Kraftfahrzeugmechatroniker/in

1,6 Prozent

3,2 Prozent

Maler/in und Lackierer/in

7,6 Prozent

14,9 Prozent

Tischler/in

6,7 Prozent

10,5 Prozent

 

Detaillierte Informationen finden Sie unter:

http://www.bibb.de/de/14492.htm