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Sicherung des Bedarfs an Auszubildenden
Aktuelle Entwicklungen
Aufgrund der demografischen Entwicklung hat das Handwerk zunehmend Schwierigkeiten Nachwuchskräfte zu gewinnen und langfristig an sich zu binden. Diese Schwierigkeiten wirken sich auf einer quantitativen und einer qualitativen Weise aus.
Das quantitative Problem: Die Zahl der Schulabgänger sinkt
Die Zahl der Absolventen allgemeinbildender Schulen sinkt kontinuierlich. Der prognostizierte Tiefstand der Absolventenzahlen wird bundesweit im Jahr 2020 erreicht: [1]
Laut einer Prognose des Statistischen Bundesamtes werden die Absolventenzahlen allgemeinbildender Schulen bundesweit von 965.000 im Jahr 2007 auf 781.000 im Jahr 2020 zurück gehen. Das entspricht einer Reduktion um fast 20 Prozent innerhalb von 13 Jahren.
Das qualitative Problem: Mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger
Neben den sinkenden Absolventenzahlen allgemeinbildender Schulen verschärft die mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger die Schwierigkeit Nachwuchskräfte zu finden. Nach Meinung von Experten [2] ist die Leistungsfähigkeit der Schulabgänger bzw. Lehrstellenbewerber in den letzten 15 Jahren gesunken. Dies gilt insbesondere für das durch die Schulen vermittelte Wissen. Mehr als 80 Prozent der Experten sind davon überzeugt, dass die schriftliche Ausdrucksfähigkeit, die Beherrschung der deutschen Rechtschreibung und die Fähigkeit zum einfachen Kopfrechnen nachgelassen haben. Mehr als zwei Drittel meinen, dass dies auch für die Konzentrationsfähigkeit, Beherrschung der Grundrechenarten, geometrische Grundkenntnisse, Durchhaltevermögen, Sorgfalt und Höflichkeit gilt.
Was ist zu tun?
Stärkung der Ausbildungsreife der Jugendlichen
- Jeder Jugendliche sollte zumindest über einen Hauptschulabschluss verfügen. Das Handwerk fordert die Bundesregierung auf, konsequent das selbstgesteckte Ziel zu verfolgen, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss bis zum Jahr 2012 zu halbieren und den Anteil der sogenannten Risikoschüler mit Schwächen in den Kernkompetenzen spürbar zu senken.
- Der Bildungspolitik muss dafür ein ganzheitlicher Bildungsansatz zugrunde liegen, der sich im Sinne zusammenhängender Bildungsketten von der Vorschule und Schule über die berufliche Aus- und Weiterbildung bis in die Hochschule erstreckt, die Familien- und Bildungspolitik verzahnt und die gesamtgesellschaftliche Verantwortung für eine Bildungsrepublik Deutschland betont.
- Mit seiner Nationalen Bildungsinitiative hat das Handwerk als erster Spitzenverband bereits im Jahr 2006 zusammengefasst, was für eine ganzheitliche Verbesserung der Bildung notwendig ist. Dazu gehört der quantitative und qualitative Ausbau der frühkindlichen Bildung und Betreuung. Bildungsstandards müssen verbessert werden und Erzieherinnen und Erzieher durch eine höherwertige Aus- und Weiterbildung auf die gestiegenen Anforderungen vorbereitet werden. Das schließt insbesondere die individuelle Förderung von Kindern mit Entwicklungs- und Sprachdefiziten ein. Die Einführung eines beitragsfreien obligatorischen Vorschuljahres ist ebenso geboten, wie der Ausbau schulischer Ganztagsangebote, die Umsetzung einer flächendeckend verbindlichen Berufsorientierung und eines ökonomischen Bildungsangebots an allen allgemeinbildenden Schulen.
- Mit den Dresdner Beschlüssen hat sich die Bundesregierung im Jahr 2008 zu einer ganzheitlichen Verbesserung der Bildung bekannt. Von dem kommenden Bildungsgipfel im Juni 2010 erwartet das Handwerk einen verlässlichen Fahrplan zur Umsetzung und Finanzierung.
Nutzung und Qualifizierung bislang nicht ausgeschöpften Nachwuchspotenzials
Im Zuge der demografischen Entwicklung rücken bisher ungenutzte Nachwuchspotenziale in den Fokus der Betriebe. Dazu gehören insbesondere junge Menschen mit Migrationshintergrund, Mädchen und leistungsstarke Schulabgänger.
Leistungsstarke Schüler für das Handwerk gewinnen
Leistungsstarke Schüler stehen einer Ausbildung im Handwerk eher fern. Unter ihnen sind "white collar"-Berufe höher im Kurs. Um die Attraktivität der beruflichen Bildung für diesen Kreis zu steigern, muss die Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit der Bildungssysteme erhöht werden. Das Handwerk setzt sich im Rahmen der Konzeption und Einführung des Deutschen Qualifikationsrahmens dafür ein. Berufliche Bildung muss anschlussfähige Karrierewege bis zur Hochschule aufzeigen, um auch leistungsstarken Jugendlichen eine interessante Perspektive im Handwerk zu bieten und den Führungskräftenachwuchs zu sichern. Der Ausbau des Berufslaufbahnkonzepts leistet einen wesentlichen Beitrag zur Transparenz.
Ausbildungsbeteiligung von Migranten ausbauen
Menschen mit Migrationshintergrund sind ein ganz wesentliches Fachkräftereservoir für das Handwerk. Welches Potenzial hier schlummert, verdeutlichen die Zahlen: Jeder fünfte Einwohner hat heute einen Migrationshintergrund. Bei den unter 6-Jährigen ist es bereits jedes dritte Kind. Sie verlassen die Schule doppelt so häufig ohne Abschluss (4,4%) wie ihre deutschen Altersgenossen (1,6%) und münden erheblich seltener in eine berufliche Ausbildung (23,9% der Ausländer, 57,6% der Deutschen). 44 Prozent der 25- bis 35-Jährigen haben keinen beruflichen Abschluss.
Mit 5,2 Prozent der Lehrlinge hat das Handwerk – nach den freien Berufen – den zweithöchsten Anteil an ausländischen Auszubildenden in der Wirtschaft. Dennoch ist auch im Handwerk ihr Anteil über die Jahre kontinuierlich zurückgegangen. Um diesen Trend umzudrehen, sind zielgruppenspezifische Angebote zur Berufsinformation und -orientierung, zur Ausbildungsberatung, -vermittlung und -begleitung notwendig. Das Handwerk setzt hier auf die enge Zusammenarbeit mit Schulen, Migrantenorganisationen und ausländischen Unternehmensvertretern. Ein besonderes Augenmerk gilt der Elternarbeit. Viele Eltern mit Zuwanderungsgeschichte kennen die duale Ausbildung nicht aus eigenem Erleben. Das System von praktischem und theoretischem Lernen sowie die Vielfalt der Berufe sind ihnen oft fremd. Als wichtigste Berater ihrer Kinder haben sie einen berechtigten zusätzlichen Informationsbedarf.
Integration in Ausbildung ist die Voraussetzung für berufliche Perspektiven, ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Sie beugt Arbeitslosigkeit vor und sichert den Fachkräftebedarf der Zukunft. Durch ihre Arbeitsmarktnähe leistet die duale Ausbildung dabei einen besonderen Beitrag.
Um neue Wege zu finden, sämtliche Potenziale auf dem Ausbildungsmarkt zu heben, setzt das Handwerk auf die gemeinsame Anstrengung aller am Ausbildungspakt Beteiligten. Der ZDH plädiert daher dafür, den bewährten Ausbildungspakt zu einem Pakt für Fachkräftesicherung weiterzuentwickeln, der die Besetzung freier Stellen in den Mittelpunkt rückt.
[1] Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz, Nr. 182, 2007 und Nr. 186, 2009.
[2] Bettina Ehrenthal, Verena Eberhard, Joachim Gerd Ulrich: Ergebnisse des BIBB-Experten-Monitors Ausbildungsreife. Bundesinstitut für Berufsbildung, September/Oktober 2005.

