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Berufsbildung ohne Grenzen - Mobilitätsberatung für Auszubildende startet

Die deutsche Wirtschaft will mit Unterstützung der Bundesregierung Auszubildende verstärkt ins Ausland schicken. Mit einer Fachkonferenz im Bundesministerium für Arbeit und Soziales startet das bundesweite Programm zur Beratung von Auszubildenden bei Auslandsaufenthalten. Detlef Scheele, Staatssekretär im gastgebenden Bundesministerium, Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), und Hanns-Eberhard Schleyer, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) gaben den Startschuss.  

Christoph, Tischler, England, Teilnehmer an der Zusatzqualifikation Europaassistent im Handwerk

„Da das deutsche Ausbildungssystem in meinem Betrieb in England nicht bekannt war, dachte man, ich hätte keinerlei praktische Erfahrung. So führte ich zunächst grundlegende Furnierarbeiten unter Anleitung aus. Schnell war man von der Schnelligkeit und Qualität meiner Arbeit und meinem Know-how begeistert, so dass ich praktisch sofort wie ein normaler Angestellter behandelt wurde. Die Belegschaft setzte sich dafür ein, dass ich auch ganz normal entlohnt wurde.“

„Die Qualität der Ausbildung muss gerade auch in diesen Krisenzeiten verbessert werden, um Wettbewerbsvorteile gewinnen zu können. Dazu können Auslandsaufenthalte von Jugendlichen einen wichtigen Beitrag leisten" sagte Staatssekretär Scheele. „Will Deutschland Exportweltmeister bleiben, brauchen gerade kleine und mittlere Unternehmen mehr Auszubildende mit Auslandserfahrung“, betont DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. „Derzeit absolvieren nur etwa zwei Prozent der Jugendlichen einen Teil ihrer Berufsausbildung oder ein Praktikum im Ausland. Gleichzeitig orientieren sich aber immer mehr Unternehmen auf internationale Märkte oder kooperieren mit weltweit aufgestellten Firmen. Das passt nicht zusammen,“ so Wansleben. Das Mobilitätsberater-Projekt werde dazu beitragen, dass deutlich mehr Auszubildende Fremdsprachenkenntnisse, interkulturelle Kompetenzen und auslandsbezogenes Fachwissen erwerben.

Maria, Zimmerin, Schweden, Teilnehmerin an der Zusatzqualifikation Europaassistentin im Handwerk

„Während meines dreiwöchigen Aufenthaltes in Schweden habe ich am Anbau eines Blockhauses von 1850 mitgearbeitet. In den drei Wochen haben wir den Anbau - inklusive Innenausbau und Fassade - so gut wie fertig gestellt. Ich fand es interessant, einen Einblick in die Bauarten und in die Arbeitswelt eines anderen Landes zu bekommen. Wenn es mir möglich ist, würde ich das Angebot eines solchen Praktikums noch einmal wahrnehmen.“

Schleyer betonte, dass es auch im Handwerk wachsenden Bedarf an Fachkräften mit internationalem Know-how gibt. „Um dem zu entsprechen, müssen wir eine neue Mobilitätskultur im Rahmen der Aus- und Weiterbildung entwickeln“, sagte er. In diesem Punkt stehe das Handwerk noch am Anfang. „Das liegt nicht zuletzt auch an einem Defizit an entsprechenden Beratungs- und Unterstützungsstrukturen“, so Schleyer. Er begrüßte daher ausdrücklich, dass diese Beratungslücke mit dem Mobilitätsberaterprogramm nun geschlossen werde. Staatssekretär Scheele zeigte sich zuversichtlich, dass durch dieses Programm die Zahl der Auslandsaufenthalte von Jugendlichen in den kommenden Jahren verdoppelt werden kann.

Daniela Bruchsteiner, Mobilitätsberaterin beim Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT)

„Handwerker haben den Vorteil, dass Sie im Ausland vom ersten Tag an Ihre beruflichen Fähigkeiten einbringen können und Handlungskompetenzen besitzen. Sprachbarrieren im Berufsalltag können aufgrund der handwerklichen Tätigkeiten viel einfacher überwunden werden als in anderen Berufszweigen. Die Initiative „let’s go“ zur Förderung von Auslandspraktika in der handwerklichen Ausbildung ist eine gute Möglichkeit, genau diese Pluspunkte von Handwerksberufen bereits dem Nachwuchs zu vermitteln.“

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat gemeinsam mit dem DIHK und dem ZDH das Programm zur Unterstützung von Auslandsaufenthalten für Auszubildende und Berufsanfänger ins Leben gerufen. Für 16 Millionen Euro wird in den kommenden Monaten eine bundesweite Beratungsstruktur für Unternehmen aufgebaut. Ein Netzwerk von 40 Mobilitätsberatern in den Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern betreut dann die Betriebe vor Ort, um Auszubildenden und Berufsanfängern in größerem Umfang als bisher berufliche Erfahrungen im Ausland zu ermöglichen. Neben der Beratung und Motivation der Unternehmen und Auszubildenden gehört auch die Information über Förderprogramme oder die Unterstützung bei der Organisation der Auslandsaufenthalte zu den Aufgaben. Das Programm wird finanziert mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Die Kammern beteiligen sich mit 20 Prozent an den Kosten.

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