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Handwerk ist offen für Auszubildende aus Osteuropa

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Handwerk mit den Nachbarländern im Osten ist längst Realität, so ZDH-Präsident Otto Kentzler im Interview mit der PRAGER ZEITUNG (16. Juni 2010). Die Ausbildung junger Menschen in deutschen Handwerksbetrieben kann diese Entwicklung stärken: "Es ist Teil der europäischen Entwicklung, dass über die Grenzen hinweg Ausbildung und Arbeit angeboten werden."

Gerade im Osten fehlen Azubis. In welchen Branchen ist der Mangel besonders hoch?

Kentzler: Es gibt in vielen Berufen unbesetzte Lehrstellen, dazu gehören auch die beliebten Berufe im Bau, Elektro- und Metallgewerbe. Auch Bäcker und Metzger suchen.

Sie wollen nun Jugendliche aus Tschechien und Polen nach Deutschland locken. Welche Voraussetzungen sollten sie mitbringen?

Es ist Teil der europäischen Entwicklung, dass über die Grenzen hinweg Ausbildung und Arbeit angeboten werden. Diese Normalität gilt ab 2011 auch für Polen und Tschechien. Für die Ausbildung in einem Handwerksberuf müssen in erster Linie Leistungsbereitschaft und Teamfähigkeit mitgebracht werden.

Wäre es nicht sinnvoller Jugendlichen, die in den anderen Teilen Deutschlands keine Lehrstelle finden, die Möglichkeit zu geben in den Neuen Bundesländern einen Beruf zu erlernen?

Kentzler: Auch das geschieht. Diese Möglichkeit wird allerdings nur selten genutzt, da in den kommenden Jahren aufgrund sinkender Schulabgängerzahlen auch in den alten Bundesländern Nachwuchsprobleme drohen.

Für das Erlernen eines Berufes sind Deutsch-Kenntnisse notwendig. Wie wollen Sie die sprachliche Lücke schließen. Wer bezahlt die Deutschkurse?

Kentzler: Die Handwerkskammer Cottbus ist hier ein gutes Beispiel. Sie möchte in einem Pilotprojekt Jugendliche vor Ausbildungsbeginn in dreimonatigen Kursen mit Sprache, Kultur und Recht in Deutschland vertraut machen.

Würden polnische und tschechische Jugendliche die gleiche Ausbildungsvergütung erhalten wie die deutschen?

Kentzler: Ja, die Ausbildungsvergütung in den einzelnen Berufen ist tarifvertraglich geregelt.

Wie viel Leute, glauben Sie, können Sie motivieren in die neuen Bundesländer zu kommen?

Kentzler: Wichtig ist es mir, zu betonen, dass wir niemandem in der Nachbarschaft den Nachwuchs wegnehmen möchten. Doch es wäre unklug, wenn auf der einen Seite Jugendliche etwa nach England ziehen, während 5 Kilometer weiter auf der anderen Seite in Deutschland die Lehrstellen frei bleiben.

Wie haben die Handwerks-Betriebe ihren Vorschlag aufgenommen, wären die überhaupt bereit Polen und Tschechen auszubilden?

Kentzler: Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Handwerk hat ja längst begonnen und hat im Übrigen eine lange Tradition. Darauf aufbauend sollte schnell das notwendige Vertrauen wachsen. Zweisprachige Fachkräfte, die sich auf beiden Seiten gut auskennen, können dabei sicher helfen.

Interview: Bernd Rudolf


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