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Schulen müssen für bessere Vorbildung aller Jugendlichen sorgen
"Für die offenkundigen Versäumnisse der Schulen darf man nicht die Kinder verantwortlich machen", stellt Handwerkspräsident Otto Kentzler in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse fest (12. April 2010). Wer von der Schule schlecht vorbereitet entlassen wird, kann mit Fleiß und Engagement dennoch erfolgreich eine Ausbildung bestehen, so Kentzler. In den Schulen müssen die Beschlüsse der Bildungsgipfel umgesetzt werden, um die Ausbildungsreife wieder zu verbessern, fordert er.
Die Verbände führen Klage über Schüler mit schlechten Abschlüssen. Sind immer mehr Schulabgänger nicht ausbildungsfähig?
Kentzler: In den Schlagzeilen kommt das so rüber, als tauge die heutige Jugend nichts mehr. Ich habe viele Generationen heranwachsen sehen. Die jungen Leute heute sind nicht schlechter als früher, auch wenn sie von der Schule oft schlechter vorbereitet entlassen werden. Wem die Ausbildung Spaß macht, wer sich reinhängt, der erreicht auch mit schwachen Zeugnisnoten sein Ziel. Wir helfen ihm dabei! Dafür ist die Ausbildung ja da.
Kann ein Handwerksbetrieb Nachhilfe geben, wenn Auszubildende im Berufschulunterricht nicht mehr mitkommen?
Kentzler: Das tun viele unserer Betriebe schon lange. Wir zeichnen alljährlich Ausbilder bundesweit aus, die sich um Migranten mit schlechten Deutschkenntnissen, Jugendliche mit schwierigem Sozialverhalten, um alleinerziehende 18jährige Mütter, um Schulabgänger ohne Abschluss und andere mehr kümmern. In schwierigen Fällen sollten unsere Betriebe von der "ausbildungsbegleitenden Hilfe" durch die Arbeitsagentur Gebrauch machen. Wenn die Jugendlichen diesen Prozess bewältigen, werden sie oft die besten Mitarbeiter.
PISA hat auch gezeigt, dass deutsche Schüler heute schlechter abschneiden als die in anderen Ländern.
Kentzler: Deswegen haben wir frühzeitig Alarm geschlagen. Mit Erfolg: Die Bildungsgipfel haben die Weichen für eine bessere schulische Vorbildung gestellt. Dazu gehört für uns zwingend, dass Kinder schon in der Vorschule so gut Deutsch lernen, dass sie in der Grundschule mitkommen. Und dass junge Menschen ab der 8. Klasse als Teil der Stundenplans ausführliche Praktika zur Berufsorientierung machen können. Für die offenkundigen Versäumnisse der Schulen darf man aber nicht die Kinder verantwortlich machen.
Gilt das auch für junge Migrantinnen und Migranten?
Kentzler: Hier gab und gibt es große politische und gesellschaftliche Versäumnisse. Was zählt, ist der Wille aller Seiten, es in Zukunft besser zu machen. Es gibt viele Handwerksbetriebe, in denen beispielsweise junge türkische Handwerkerinnen und Handwerker erfolgreich arbeiten und sich den Respekt der Kollegen verdienen. Aber natürlich müssen noch mehr Betriebe offen sein für die Ausbildung dieser Jugendlichen - und dazu zähle ich gerade auch die Unternehmer mit ausländischer Herkunft. Und wir müssen von den Eltern und den Jugendlichen erwarten können, dass sie sich über das deutsche System der beruflichen Bildung besser informieren.
Interview: Christoph Slangen

