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Höherer Steuerbonus wirkt gegen Schwarzarbeit
Nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) entfallen 19 Prozent der Schwarzarbeit auf handwerkliche Tätigkeiten. Um Arbeit günstiger zu machen, müssen Steuern und Abgaben sinken, sagt Handwerkspräsident Otto Kentzler im Interview mit den Ruhr-Nachrichten (26. Februar 2009) und der Münsterschen Zeitung. Von der Erhöhung des Steuerbonus verspricht er sich ebenfalls mehr Kunden für ehrliche Betriebe.
Sind deutsche Handwerker zu teuer?
Kentzler: Unsere Handwerker befinden sich im scharfen Wettbewerb. Der wird auch über den Preis ausgetragen. Wer zu teuer ist, verliert. Aber nur billig ist Handwerk nicht zu bekommen. Wer ein vom Bäcker traditionell gebackenes Brot kauft, muss für diese Qualität mehr bezahlen als für einen in der Fabrik hergestellten Supermarkt-Laib.
Wie setzen sich die Kosten für eine Handwerker-Arbeitsstunde zusammen?
Kentzler: Als Faustregel gilt, dass ein Drittel Lohnkosten sind, ein weiteres Drittel die Lohnzusatzkosten und den Rest machen die Gemeinkosten aus also etwa Büro- und Energiekosten, dazu kommen über 7,50 Euro Mehrwertsteuer (pro Verrechnungsstunde). Ein Handwerksgeselle erhält von einer Verrechnungsstunde von rund 48 Euro nach seinen persönlichen Abzügen nur rund 8 Euro netto. Er müsste also sechs Stunden arbeiten, um sich selbst beauftragen zu können.
Gibt es Möglichkeiten, die Kosten zu reduzieren?
Kentzler: Ja. Weniger Steuern und Beiträge zu den Sozialversicherungen verringern die Kosten. Längere Wochen- und Jahresarbeitszeiten ebenso. Eine Reduzierung der Mehrwertsteuer lässt ebenfalls den Endpreis spürbar sinken..
Wie viel Geld geht dem Handwerk durch Schwarzarbeit durch die Lappen?
Kentzler: Die Schätzungen sprechen von Milliardenbeträgen.
Arbeiten viele "ehrbare" Handwerker aufgrund der Steuerlast nebenbei schwarz?
Kentzler: Schwarzarbeit ist Betrug am Kollegen, der ehrlich Beiträge und Steuern abführt. Ich warne daher stets davor, die Nachbarschaftshilfe zu großzügig auszulegen. Im Übrigen gehören zur Schwarzarbeit immer zwei Kunde und Schwarzarbeiter.
Was macht das Handwerk gegen die schwarzen Schafe bzw. gegen die Schwarzarbeit?
Kentzler: Ich glaube, die meisten Anzeigen gegen illegal arbeitende Handwerkskolonnen kommen von ehrlichen Betrieben. Gerade in Krisenzeiten lässt sich doch niemand die Arbeit gerne von schwarz arbeitenden Dumpinganbietern wegschnappen. Zudem gibt es erfolgreiche Kooperationen von Kammern und Verbänden mit den Verfolgungsbehörden.
Was muss die Politik machen?
Kentzler: Die tatsächliche Vollstreckung von Bußgeldern und mehr Kontrollen das wirkt. Senkung der Steuer- und Abgabenlast das macht Handwerksarbeit nachhaltig preiswerter. Und: Die Absetzbarkeit von Handwerksleistungen für den privaten Haushalt weiter ausbauen. Der Steuerbonus wirkt nachweislich und finanziert sich zu einem großen Teil auch selbst.
Wie können sich Kunden gegen überhöhte Rechnungen zur Wehr setzen? Gibt es eine Schiedsstelle?
Kentzler: Die Handwerkskammern haben für Streitigkeiten mit den Betrieben Vermittlungsstellen eingerichtet. Der beste Weg ist es jedoch, einen größeren Auftrag bereits vorher schriftlich niederzulegen und eine genaue Kalkulation des Anbieters einzuholen. Damit können sich beide Seiten möglichen Ärger ersparen.
Interview: Susanne Linnenkamp

