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Handwerk wirbt um Auszubildende

Trotz der positiven Bilanz zum Ausbildungsjahr 2009: Das Handwerk kann sich nicht zurücklehnen, sagt ZDH-Geschäftsführer Holger Schwannecke im Interview mit dem Bremer "Weser-Kurier" (14.10.2009), es will verstärkt um Auszubildende werben. "Wir fordern für 2011 einen Pakt für Fachkräftesicherung", so Schwannecke.

Agentur und Kammern sprechen von einer Entspannung auf dem Ausbildungmarkt. Können wir uns jetzt zurücklehnen?

Holger Schwannecke: Entspannen ja - zurücklehnen nein. Das Handwerk muss in den kommenden Jahren verstärkt um Auszubildende werben. Vielen Jugendlichen ist der Kontakt mit der Realität der Arbeitswelt verloren gegangen. Früher kamen sie über Familie oder Freunde mit den verschiedensten Handwerkern in Kontakt. Das fehlt heute. Junge Menschen müssen ihre Fähigkeiten kennen und wissen, in welchem Handwerk oder Beruf sie diese einbringen können.

Was schlägt das Handwerk vor?

Schwannecke: Wir fordern für 2011 einen Pakt für Fachkräftesicherung als Nachfolger für den Ausbildungspakt. Ein wichtiger Aspekt ist die Berufsorientierung, sie muss Pflichtbestandteil der Lehrpläne werden, möglichst schon in der achten Klasse und über ein oder zwei Schuljahre. Wir brauchen auch eine Vorschulpflicht, vor allem um die Deutschkenntnisse von Migrantenkindern zu verbessern. Denn wer heute in der achten Klasse immer noch kein Deutsch kann, verabschiedet sich innerlich von der Schule.

Gerade für solche Fälle gibt es in Bremen viele Initiativen, die den jungen Menschen ins Berufsleben helfen...

Schwannecke: Berufspaten sind eine sinnvolle Hilfe vor allem für Altbewerber, die schon seit Jahren einen Ausbildungsplatz suchen und Qualifizierungsmaßnahmen durchlaufen haben. Auch die weiteren Initiativen sind richtig - aber wir müssen vor allem in die Zukunft schauen. Wir müssen schnell die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss halbieren!

Haben wir den Fachkräftemangel nicht schon längst?

Schwannecke: Bisher waren nur wenige Branchen betroffen. Aber es kommen zahlenmäßig schwache Jahrgänge von der Schule. In den kommenden Jahren werden die Betriebe um jeden einzelnen Auszubildenden kämpfen müssen, nicht nur in den neuen Bundesländern. Das Handwerk wendet sich dabei intensiv an Migranten. Deren Familien beispielsweise müssen unser duales Ausbildungssystem besser kennenlernen - immer wieder nehmen sie Lehrlinge nach dem ersten Jahr aus dem Betrieb, ohne Ausbildungsabschluss, damit sie Geld verdienen. Wir werben daher verstärkt um Ausbildungsplätze bei Handwerksmeistern mit Migrationshintergrund. Denn diese Jugendlichen - und auch ihre Eltern - brauchen Vorbilder.

Interview: Stefanie Bettinger


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