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Appell an die Bundesregierung: Aufschwung stützen!
"Der Wachstumsfaden darf nicht abreißen", warnt ZDH-Präsident Otto Kentzler in einem Interview mit dem Magazin "Wirtschaftswoche" (5. März 2007). Vor allem die um drei Punkte höhere Mehrwertsteuer ist eine Gefahr für die Konjunktur. Kentzler appelliert daher an die Bundesregierung, den Aufschwung zu stützen.
Herr Kentzler, Sie gehen mit Ihrem Dachdeckerbetrieb nach Luxemburg und Irland. Eine Perspektive für alle Handwerker?
Kentzler: Für größere Handwerksbetriebe und kleine Spezialisten ist der Weltmarkt selbstverständlich eine Perspektive. Um den Gang ins Ausland zu erleichtern, hat die Handwerksorganisation umfangreiche Beratungs- und Informationsdienstleistungen entwickelt und mit dem DIHK vereinbart, dass Handwerker bei den Auslandshandelskammern überall in Europa Unterstützung bekommen.
Trotzdem sind bisher nur fünf Prozent der Handwerksbetriebe im Ausland aktiv.
Kentzler: Umso mehr möchte ich die Handwerker dazu ermuntern. In vielen Betrieben schlummern die Potenziale. Denken Sie auch daran, dass viele unserer Mitarbeiter einen Migrationshintergrund haben. Deren Kompetenzen sollten verstärkt als Brücke zu den Auslandsmärkten genutzt werden.
Nach jahrelangem Siechtum ist auch der Inlandsmarkt für das Handwerk wieder angesprungen. Wird 2007 ein gutes Jahr?
Kentzler: Ja, daran glaube ich. Aber gerade deshalb darf jetzt der Wachstumsfaden nicht abreißen. Auf diese Gefahr weisen ja auch die jüngsten Ifo-Zahlen hin. Deshalb appelliere ich eindringlich an die Bundesregierung, den Aufschwung zu stützen.
Sie meinen die steuerliche Absetzbarkeit von Handwerksleistungen in Privathaushalten und das energetische Gebäudesanierungsprogramm. Reicht das nicht?
Kentzler: Drei Punkte höhere Mehrwertsteuer! Dem muss Rechnung getragen werden. 25 statt 20 Prozent Steuerbonus von 4000 statt bisher 3000 Euro – bei dieser Forderung unterstützt uns Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sehr. Und beim Sanierungsprogramm zum Energiesparen plädieren wir für eine Ausweitung von Wohnhäusern auf Gewerbebauten, gerade der ältere Bestand des Mittelstandes hat Nachholbedarf. Das wäre auch ein Schub für den Klimaschutz! Wir haben darüber bereits Gespräche mit dem Bundesumweltminister geführt und sind auf viel Zustimmung gestoßen. Auch die mit der Durchführung betraute KfW-Bank sieht eine Ausweitung des energetischen Gebäudesanierungsprogramms positiv.
Auf der anderen Seite hat sich das Handwerk mit Industrie und Handel gegenüber der Politik verpflichtet, Jugendlichen ausreichend Ausbildungsplätze zur Verfügung zu stellen. Wie sieht die Bilanz aus?
Kentzler: Die Zahlen sind glänzend. Die deutsche Wirtschaft hat 2006 insgesamt 67.900 neue Lehrstellen geschaffen und darüber hinaus 42.000 Plätze für Einstiegsqualifizierungen bereit gestellt. Die Unternehmen haben damit sofort auf die verbesserte Wirtschaftslage reagiert. Wir wollen am 5. März, den Ausbildungspakt um weitere drei Jahre verlängern.
Es heißt trotzdem, dass nicht alle Jugendlichen einen Ausbildungsplatz erhalten.
Kentzler: Das Angebot war da. Es erschreckt mich, dass bei der Nachvermittlung in den Bezirken oft nur jeder zweite Angeschriebene reagiert. Wir wollen das nicht akzeptieren und gemeinsam mit dem DIHK jungen Menschen in der Warteschleife eine "zweite Chance" geben, sich im Betrieb für einen Beruf zu qualifizieren.
Wird es in den nächsten Jahren leichter, genügend Ausbildungsplätze zu schaffen?
Kentzler: Andersherum: Aufgrund der Demographie befürchten wir, dass es schwieriger wird, alle Lehrstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. In Ostdeutschland haben wir den Geburtenrückgang bereits 2006 gespürt, die Zahl der Schulabgänger wird in diesem Jahr weiter zurückgehen. In Westdeutschland dürfte die Situation spätestens 2011 eintreten. Das trifft vor allem das Handwerk. Uns drohen bereits kurzfristig Einbußen aufgrund von Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Daher dringen wir zusätzlich auf die individuelle Weiterqualifizierung gerade junger arbeitsloser Facharbeiter.
Das Interview führte Dr. Christian Ramthun.

