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Betriebsentwicklung im Handwerk im 1. Halbjahr 2008

Gesamtentwicklung

Nach einer schrittweisen Wachstumsverlangsamung in den Vorperioden ist der Betriebsbestand im Handwerk erstmals seit der Novellierung der Handwerksordnung 2004 gesunken. Zum 30. Juni waren bei den Handwerkskammern insgesamt 960.651 Betriebe eingetragen und damit 1.081 weniger als zu Jahresbeginn (-0,1 Prozent). Im gleichen Vorjahreszeitraum stieg der Bestand noch um 6.250 Betriebe, das Wachstum betrug damals 0,7 Prozent. Verantwortlich für diese Entwicklung ist zum einen, dass sich das Gründungsgeschehen insgesamt verlangsamt hat, und zum anderen wesentlich mehr Betriebe aus dem Markt ausgeschieden sind als im ersten Halbjahr 2007. Dies hat dazu geführt, dass die Betriebszahlen in den handwerksähnlichen B2-Gewerken erheblich und in den zulassungspflichtigen Anlage-A-Handwerken leicht gesunken sind. Die Rückgänge konnten von den B1-Handwerken nicht mehr kompensiert werden, weil sich dort der Betriebszuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum halbiert hat. Im Einzelnen stellt sich die Entwicklung wie folgt dar ( Grafik):

  • Nachdem der Betriebsbestand in den handwerksähnlichen Gewerken bereits Ende 2006 seinen Höhepunkt erreichte und seither leicht gesunken ist, hat sich der Rückgang der Betriebszahlen in den B2-Handwerken im ersten Halbjahr 2008 erheblich beschleunigt. Zum 30.06 waren 3.165 oder 1,8 Prozent weniger Betriebe eingetragen als zu Jahresbeginn. Im Vergleich zum gleichen Vorjahreszeitraum (-0,7 Prozent) wurden sowohl nochmals deutlich weniger Betriebe neu eingetragen, als auch wesentlich mehr Betriebe gelöscht. Die Betriebszahlen sanken auf jetzt noch 187.983 und lagen damit niedriger als im Jahr 2003.
  • Auch in den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A sind die Betriebszahlen erstmals seit der jüngsten Handwerksnovelle rückläufig, allerdings nur leicht um -0,2 Prozent. Mit 602.448 waren 1.309 Betriebe weniger eingetragen als am Jahresanfang. Im Gegensatz zu den zulassungsfreien Handwerken ist der Rückgang aber ausschließlich auf die gestiegene Zahl von Löschungen zurückzuführen; die Gründungsdynamik in den zulassungspflichtigen Gewerben fiel sogar geringfügig höher aus als vor einem Jahr, wenngleich von einem jetzt wieder niedrigeren Niveau kommend.
  • Zudem hat sich das Betriebswachstum in den seit 2004 zulassungsfrei gestellten B1-Handwerken stark verlangsamt. 3.722 zusätzliche Betriebe bedeuten ein Plus von 2,2 Prozent auf einen Bestand von 169.737 Betriebe. Im ersten Halbjahr 2007 betrug der Zuwachs noch 7.688 Betriebe oder 5,1 Prozent. Während die Anzahl der Löschungen erneut stark zugenommen hat, gingen auch hier die Gründungszahlen spürbar zurück. Deshalb konnten die B1-Handwerke auch nicht mehr - wie noch in den Vorperioden - die Rückgänge in den übrigen Bereichen auffangen.
  • Weiterhin nicht nennenswert sind die Eintragungen von einfachen Tätigkeiten in die Anlage A. Ende Juni waren 483 Betriebe eingetragen, damit 43 oder 8,2 Prozent weniger als zu Jahresbeginn.
  • Erstmals verlangsamt zeigt sich auch das Gründungsgeschehen von Inhabern aus den mittel- und osteuropäischen Staaten. Mit 5.303 Zugängen im ersten Halbjahr schwächt sich das Interesse ab, es bleibt aber hoch (1. Hj. 2007: 6.157 Zugänge). Drei Jahre nach der Erweiterung der EU hat sich damit ein Bestand von 29.344 Betrieben aus Mittel- und Osteuropa aufgebaut.  

Ausführliche Beschreibung  

1. Entwicklung in den handwerksähnlichen B2-Handwerken

Nachdem  der Betriebsbestand im handwerksähnlichen Gewerbe zum Jahresende 2006 seinen Höhepunkt erreicht hatte, gingen die Betriebszahlen im Jahr 2007 leicht zurück. Im ersten Halbjahr 2008 hat sich der Rückgang erheblich beschleunigt. Der Betriebsbestand im handwerksähnlichen Gewerbe ist um 3.451 oder um -1,8 Prozent auf noch 187.983 gesunken. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres betrug der Rückgang erst -0,7 Prozent. Dabei fiel er in Westdeutschland (-2,0 Prozent) wesentlich stärker aus als in Ostdeutschland (-0,8 Prozent). Verantwortlich für die Entwicklung sind zum einen die deutlich verringerte Gründungsdynamik als auch eine höhere Zahl von Löschungen: Allein in Westdeutschland fehlen rund 1.000 Gründungen im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr, zugleich wurden auch rund 1.000 Betriebe mehr aus dem Verzeichnis der handwerksähnlichen Gewerbe abgemeldet. In Ostdeutschland waren dagegen Zugänge als auch Abgänge vergleichsweise stabil. Ein Grund für diese Entwicklung dürfte in den vor allem in Westdeutschland gestiegenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt liegen, die weniger Personen veranlasst, sich selbständig zu machen und dazu führt, dass Selbständige wieder aus dem Markt ausscheiden, um eine abhängige Beschäftigung anzutreten. ( Grafik)     

Vom Rückgang der Betriebszahlen sind viele Gewerke betroffen, die in der Vergangenheit stark gewachsen sind. Den absolut höchsten Rückgang mit 891 weniger Betrieben als zu Jahresbeginn hatten die Kosmetikerinnen zu verbuchen (-2,0 Prozent); sie zählen jetzt noch 43.769 Betriebe. Aus der Gruppe der persönlichen Dienstleister mussten zudem die Änderungsschneider einen größeren Rückgang um 250 Betriebe hinnehmen (-1,5 Prozent). Daneben sind vor allem die Gewerke des Bau- und Ausbaugewerbes betroffen: Bodenleger (-454 Betriebe) Fuger (-225) sowie der Einbau von genormten Baufertigteilen (-555) und das Holz- und Bautenschutzgewerbe (-650) haben erhebliche Verluste zu verzeichnen.    

2. Entwicklung in den Anlage-A-Handwerken  

Auch im zulassungspflichtigen Vollhandwerk hat sich der Betriebsbestand im ersten Halbjahr 2008 leicht reduziert. Die Handwerkskammern zählten mit 602.448 genau 1.309 Betriebe weniger als zu Jahresbeginn (-0,2 %). Damit hat sich die Betriebsentwicklung in diesem Bereich weiter beruhigt. Hintergrund ist eine gestiegene Anzahl an Löschungen: Während im ersten Halbjahr 2007 erst 20.109 Abgänge aus der Anlage A registriert wurden, waren es im Berichtszeitraum 21.712 und damit rund 1.600 mehr. Der Anstieg der Löschungen und damit der Betriebsrückgang sind ausschließlich auf Westdeutschland begrenzt, während die Betriebszahlen in Ostdeutschland sogar leicht gestiegen sind. Vor diesem Hintergrund ist es besonders erfreulich, dass auch die Anzahl der Gründungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht von 20.085 auf 20.403 gestiegen ist. Dies zeigt, dass die zulassungspflichtigen Berufe nach wie vor eine hohe Attraktivität für Gründer haben. ( Grafik

In beiden Fällen wurde ein Trend durchbrochen, da sowohl die Gründungs- als auch die Löschungszahlen seit 2005 rückläufig waren. Dabei dürfte sich die Gründungsdynamik in den zulassungspflichtigen Handwerken – nach einem Nachholeffekt in Folge der HwO-Novelle - nun auf einem „natürlichen“ Niveau eingependelt haben und von dort wieder leicht anziehen. Die insgesamt positive wirtschaftliche Entwicklung bestärkt die qualifizierten  Gründungswilligen. Auch der Anstieg der Löschungen dürfte nicht zuletzt von der positiven Konjunktur und der günstigen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt beeinflusst sein: Mit steigenden Chancen auf abhängige Beschäftigung werden vermehrt die aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründeten Betriebe aufgegeben, die nicht Fuß fassen konnten.  

Nach wie vor verläuft die Betriebsentwicklung zwischen den Gruppen sehr differenziert. Während die Betriebsbestände in fast allen Gruppen geschrumpft sind, verzeichnet nur die Gruppe Gesundheit, Körperpflege, Reinigungsberufe ein stärkeres Plus. Hier ist es vor allem die immer noch hohe Gründungsdynamik bei den Friseuren, die das Wachstum bestimmt: Zum 30. Juni waren erneut 672 oder 0,9 % mehr Friseurbetriebe registriert als zu Jahresbeginn. Allerdings lassen auch hier die Zuwächse nach.  

Dem gegenüber setzt sich in anderen wichtigen Branchen der Anlage A der Rückgang der Betriebszahlen fort: Im Lebensmittelgewerbe hat sich die Betriebszahl innerhalb von sechs Monaten um 676 Betriebe oder -1,8 % auf noch 37.108 verringert. Dabei schrumpft das Fleischerhandwerk, während die Bäcker sich konzentrieren und zugleich eine steigende Anzahl von Filialen eröffnen. Stärkere Rückgänge sind zudem in den Bauhandwerken festzustellen (Maurer: -367) sowie in den Ausbauhandwerken (Elektrotechniker: -335; Metallbauer: -225).    

3. Entwicklung in den B1-Handwerken  

In den zulassungsfreien B1-Handwerken hält das Betriebswachstum an, es hat aber stark nachgelassen. Während im ersten Halbjahr 2007 noch 7.688 zusätzliche Betriebe von den Handwerkskammern gezählt wurden, waren es im Berichtszeitraum mit 3.722 nur noch halb so viele. Das Wachstum hat sich auf 2,2 Prozent reduziert und hat in der Anlage B1 zu einem Betriebsbestand von 169.737 Betrieben geführt.  

Dabei setzten sich die seit 2006 zu beobachtenden Trends fort. Zum einen ist die Anzahl der Existenzgründungen weiter gesunken: Während im ersten Halbjahr 2007 noch 18.089 Zugänge registriert wurden, waren es im Berichtszeitraum nur noch 16.858. Für die nachlassende Tendenz dürften die spürbar bessere Konjunktur- und Arbeitsmarktlage sowie die reduzierte Förderung von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus verantwortlich sein. Dennoch bleibt das Gründungsgeschehen in B1 weiter auf hohem Niveau. Zum anderen ist die Anzahl der Löschungen gegenüber dem Vorjahr erneut stark gestiegen. Während sich im 1. Hj. 2007 10.401 Inhaber haben austragen lassen, waren es nun bereits 13.136. Wie zu erwarten  war, sind viele Kleinstgründungen nicht für eine dauerhafte Existenz auf den Märkten ausgerichtet. Sollten sich die Trends fortsetzen, wird es im kommenden Jahr erstmals seit der Novelle auch zu einem leichten Rückgang der Betriebszahlen in der Anlage-B1 kommen. ( Grafik)

Nach wie vor bestehen die seit 2004 bekannten Wachstumsmuster, jedoch tragen im wesentlichen nur noch vier Gewerke zum Wachstum bei. Den stärksten Zulauf verzeichnen die Fliesenleger mit einem Plus 1.076 Betrieben, gefolgt von den Gebäudereinigern (1.208), den Raumausstattern (732) und den Fotografen (417). Bei den Estrichlegern (35), den Damen- und Herrenschneidern(108) und den Parkettlegern (153) hat sich das Wachstum sehr stark abgeschwächt.

4. Eintragungen von Betrieben aus den neuen Mitgliedstaaten der EU  

Auch der Andrang von mittel- und osteuropäischen Betrieben ins deutsche Handwerk hat leicht nachgelassen: Im ersten Halbjahr 2008 wurden 5.303 neue Betriebe von Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten eingetragen. Im ersten Halbjahr 2007 waren es noch 6.157. Die absolut meisten Zugänge waren in der Anlage B1 zu registrieren (4.009), gefolgt von den handwerksähnlichen Gewerben mit 1.114 Betrieben. In den zulassungspflichtigen Handwerken waren dagegen nur 178 Zugänge zu beobachten.  

Abzüglich der erfolgten Löschungen hat sich seit der Osterweiterung der Europäischen Union bis zum 30.6.2008 ein Bestand von insgesamt 29.344 Betrieben mit Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten aufgebaut.  

Die osteuropäischen Inhaber haben sich fast ausschließlich im alten Bundesgebiet angesiedelt. 27.861 Betriebe oder 94,9 Prozent der Betriebe sind in den westdeutschen Kammerbezirken eingetragen, nur 1.483 oder 5,1 % in Ostdeutschland. In allen Bundesländern konzentrieren sich die Gründungen auf die einkommensstarken Metropolen.  

Es zeigt sich das gleiche Anmeldemuster wie bei den deutschen Betrieben: Der größte Betriebszuwachs ist in den B1-Handwerken festzustellen, wo sich bis zum 30.06. ein Bestand von 22.138 Betrieben aufgebaut hat. Darunter waren alleine 12.892 osteuropäische Betriebe als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger eingetragen und 6.138 als Gebäudereiniger.  

Betriebe aus den mittel- und osteuropäischen Beitrittsstaaten:

Anlage

Zugänge 1.1.-30.6.

Bestand zum 30.6.2008

Bestand Westdeutschland

Bestand Ostdeutschland

A

178

906

803

103

A eT

2

17

17

0

B1

4 009

22 138

21 109

1 029

B2

1 114

6 283

5 932

351

Gesamt

5 303

29 344

27 861

1 483


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