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Betriebsentwicklung im 1. Halbjahr 2007
Gesamtentwicklung
Im ersten Halbjahr 2007 ist der Betriebsbestand im Handwerk weiter gestiegen, jedoch hat sich das Wachstum stark auf 0,7 % verlangsamt. Die Wachstumsverlangsamung war sowohl in West- als auch in Ostdeutschland zu beobachten. Zum 30. Juni waren bei den 54 Handwerkskammern insgesamt 953.631 Betriebe eingetragen, damit 6.250 mehr als zu Jahresbeginn. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren noch 12.363 Betriebe hinzugekommen, was einer Steigerung von 1,3 % entsprach. Die Abschwächung des Betriebszuwachses ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass sich das Gründungsgeschehen weiter beruhigt hat: In allen drei Anlagen wurden weniger Zugänge registriert als in den Vorhalbjahren, zudem wurden in den B1-Handwerken wieder erheblich mehr Betriebe aus den Rollen gelöscht. Der Anstieg des Gesamtbestands wird inzwischen nur noch von den zulassungsfreien B1-Handwerken getragen, während die Betriebszahlen in den zulassungspflichtigen Anlage-A-Handwerken stagnierten und in den zulassungsfreien B2-Handwerken zurückgingen.
Die Wachstumsverlangsamung kommt nicht überraschend, zumal ein großer Teil der Personen, die in Folge der Handwerksnovelle an einer selbständigen Existenz im Handwerk interessiert waren, den Schritt in die Selbständigkeit mittlerweile vollzogen haben dürften und zudem auch ein Rückgang der geförderten Existenzgründungen aufgrund des seit August 2006 restriktiver angelegten Gründungszuschusses zu erwarten war. Schließlich trägt auch die sehr positive wirtschaftliche Entwicklung zu wieder steigenden Erwerbsmöglichkeiten in abhängigen Beschäftigungsverhältnissen bei; damit sinken die Anreize für eine selbständige Erwerbstätigkeit. Neben rückläufigen Gründungszahlen ist die Abschwächung des Wachstums aber auf die wachsende Zahl von Marktaustritten insbesondere in der Anlage B1 zurückzuführen. ( Grafik)
Die Entwicklungen im Einzelnen:
- Im ersten Halbjahr 2007 sind die zulassungsfreien B1-Handwerke ausschließlich für das Wachstum des gesamten Betriebsbestands im Handwerk verantwortlich. Die Betriebszahlen sind seit Jahresbeginn um 7.688 oder um 5,1 % auf 157.669 Einheiten gestiegen. Allerdings hat das Wachstum in diesem Bereich stark nachgelassen: Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2005, als ein Wachstum von 14.493 zu verzeichnen war, hat sich der Zuwachs nahezu halbiert. Die Verlangsamung resultiert aus zwei Entwicklungen. Zum einen ist die Anzahl der Löschungen weiter gestiegen: Während im 1. Hj. 2005 erst 5.595 Löschungen aus den B1-Handwerken registriert wurden, haben im Berichtszeitraum bereits 10.401 Inhaber ihre Eintragung wieder löschen lassen. Wie zu erwarten war, sind viele der Kleinstgründungen nicht für eine dauerhafte Existenz auf den Märkten geeignet. Die Fluktuation nähert sich stark den B2-Handwerken an. Zum anderen ist die Anzahl der Zugänge leicht gesunken: Während im 1. Hj. 2006 noch 19.402 Betriebe angemeldet wurden, waren es jetzt 18.089. Dennoch bleibt das Gründungsgeschehen in B1 weiter auf beachtlich hohem Niveau. ( Grafik)
- Wie in den Vorjahren sind für das Betriebswachstum in der Anlage B1 nur 7 Gewerke aus den Bau- und den baunahen Handwerksberufen sowie aus den Dienstleistungsbereichen verantwortlich. Allerdings hat sich das Wachstum in diesen Gewerken ggü. dem Vorjahr verlangsamt, dabei besonders stark bei den immer noch dominierenden Fliesenlegern: Dort hat sich der aktuelle Zuwachs von 3.120 Betrieben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (5.563) deutlich reduziert. Dagegen sind die Gebäudereiniger als zweitgrößtes Gewerk mit einem Anstieg von 2.087 Betrieben fast ebenso stark gewachsen wie in den ersten sechs Monaten 2006 (2.281). Kräftige Zuwächse gab es zudem erneut bei den Raumausstattern (+1.069 Betriebe; 1. Hj. 2005: 1.310) sowie in geringerem Maße bei Parkettlegern (+408), Fotografen (+380), Damen- und Herrenschneidern (+222) sowie Estrichlegern (+180). ( Tabelle)
- In der Anlage A zeigt sich der Betriebsbestand im Vergleich zum Jahresbeginn dagegen nahezu unverändert: Nachdem im ersten Halbjahr 2006 noch knapp 2.000 Betriebe hinzugekommen waren (0,3 %), sind die Betriebszahlen im Berichtszeitraum marginal um 24 auf insgesamt noch 603.419 zurückgegangen (-0,0 %). Hintergrund ist vor allem das starke Nachlassen der Gründungsdynamik. Ggü. dem Vorjahreszeitraum wurden mit 20.805 rund 3.600 Unternehmen weniger gegründet. Gleichzeitig mussten aber auch weniger Betriebe aus dem Markt ausscheiden. ( Grafik) Dabei verläuft die Betriebsentwicklung zwischen den Gruppen sehr differenziert. Während die Betriebsbestände in fast allen Gruppen geschrumpft sind, verzeichnen nur das „Bau- und Ausbaugewerbe“ ein leichtes sowie die Gruppe „Gesundheit, Körperpflege, Reinigungsberufe“ ein stärkeres Plus. Hier ist es vor allem die ungebrochene Gründungsdynamik bei den Friseuren, die das Wachstum bestimmt: Zum 30. Juni waren erneut 1.056 oder 1,5 % mehr Friseurbetriebe registriert als zu Jahresbeginn. Dem gegenüber setzt sich in anderen wichtigen Branchen der Anlage A der Rückgang der Betriebszahlen fort: Im Lebensmittelgewerbe hat sich die Betriebszahl innerhalb von sechs Monaten um 563 Betriebe oder -1,4 % auf noch 38.408 verringert.
- Im handwerksähnlichen Gewerbe ist der Betriebsbestand um 1.432 oder -0,7 % gesunken. Zum 30.06. waren noch 192.042 Betriebe eingetragen. Dabei war die Mehrzahl der Gewerke von Rückgängen betroffen, lediglich die Kosmetiker, Eisenflechter und Kabelverleger erzielen ein nennenswertes Wachstum. Allerdings hat sich auch das zuvor kräftige Wachstum bei den Kosmetikern spürbar abgeschwächt; nachdem im ersten Halbjahr 2006 noch 1.011 Betriebe hinzugekommen waren, sind es nun 384. Für viele der Abgänge in den Gewerken Schnellreiniger und Teppichreiniger sowie Änderungsschneider dürften auch Umgründungen von der Anlage B2 in die Anlage B1 verantwortlich sein.
- Nicht nennenswert waren weiterhin die Eintragungen von einfachen Tätigkeiten in die Anlage A der Handwerksordnung: Ende Juni waren lediglich 501 Betriebe registriert, damit lediglich 18 mehr als zu Jahresbeginn.
- Der Betriebszuwachs im Gesamthandwerk bleibt wie bisher im wesentlichen auf zwei Gewerbegruppen konzentriert, nämlich auf das „Bau- und Ausbaugewerbe“, wo neben den zulassungsfreien Fliesen-, Parkett- und Estrichlegern auch in einzelnen zulassungspflichtigen Berufen wie den Zimmerern (+287), Dachdeckern (+189) sowie Maler und Lackierern (+118) ein leichtes Plus erzielt werden konnte. Wachstum war auch in der Gruppe „Gesundheit und Körperpflege, chemische und Reinigungsberufe“ zu verzeichnen. Mehr Gründungen als Löschungen gab es vor allem bei Friseuren, Kosmetikern und Gebäudereinigern.
- Entgegen dem nachlassenden Betriebswachstum in allen drei Anlagen der Handwerksordnung hält der Andrang von mittel- und osteuropäischen Betrieben ins deutsche Handwerk nicht nur an, sondern hat sich weiter beschleunigt: Im ersten Halbjahr 2007 wurden 6.157 neue Betriebe von Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten eingetragen. Im ersten Halbjahr 2006 waren es „erst“ 5.882. Die absolut meisten Zugänge waren in der Anlage B1 zu registrieren (4.649), gefolgt von den handwerksähnlichen Gewerben mit 1.356 Betrieben. In den zulassungspflichtigen Handwerken gab es dagegen nur 180 Zugänge. Abzüglich der erfolgten Löschungen hat sich seit der Osterweiterung der Europäischen Union bis zum 30.6.2007 ein Bestand von insgesamt 25.519 Betrieben mit Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten aufgebaut. Es zeigt sich das gleiche Anmeldemuster wie bei den deutschen Betrieben: Der größte Betriebszuwachs ist in den B1-Handwerken festzustellen, wo sich bis zum 30.06. ein Bestand von 18.724 Betrieben aufgebaut hat. Darunter waren alleine 11.463 osteuropäische Betriebe als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger eingetragen und 4.641 als Gebäudereiniger; in beiden Bereichen haben sich nahezu so viele Inhaber eingetragen wie im Vorjahreszeitraum. In den handwerksähnlichen Gewerben ist der Bestand auf 6.019 Betriebe gestiegen. Dabei sind 1.602 Betriebe im Holz- und Bautenschutzgewerbe und 1.714 Betriebe für den Einbau genormter Baufertigteile eingetragen.
- Die osteuropäischen Inhaber haben sich fast ausschließlich im alten Bundesgebiet angesiedelt. 24.095 Betriebe oder 94,4 % der Betriebe sind in den westdeutschen Kammerbezirken eingetragen, nur 1.424 oder 5,6 % in Ostdeutschland. In allen Bundesländern konzentrieren sich die Gründungen auf die einkommensstarken Metropolen. ( Tabelle)


