Betriebsentwicklung im 1. Halbjahr 2006
Im ersten Halbjahr 2006 ist der Betriebsbestand im Handwerk weiter gewachsen, allerdings weniger stark als in Vorjahreszeiträumen. Zum 30.06.2006 waren bei den 54 Handwerkskammern insgesamt 935.409 Betriebe eingetragen (siehe Tabelle). Dies sind 12.363 Betriebe mehr als zu Jahresbeginn (1,3 %). Damit hat sich die Wachstumsdynamik spürbar abgeschwächt, zumal im ersten Halbjahr 2005 noch 18.641 zusätzliche Betriebe gezählt wurden (2,1 %). Dabei sind in allen Anlagen der Handwerksordnung weniger Zugänge zu registrieren als vor Jahresfrist, zudem sind die Löschungen in der Anlage B1 deutlich gestiegen. Dies hat dazu beigetragen, dass das Wachstum in den Anlagen A und B1 nachgelassen hat, während in den B2-Gewerben die Betriebszahlen sogar gesunken sind.
- Das Wachstum der Betriebszahlen wird weiterhin von den zulassungsfreien B1-Handwerken bestimmt. Dort sind die Betriebsbestände seit Jahresbeginn um 11.123 Betriebe oder um 8,6 % auf einen Gesamtbestand von inzwischen 140.714 Betrieben gestiegen. Damit gehen 90 % des gesamten Betriebszuwachses im ersten Halbjahr 2006 allein auf die Anlage B1 zurück. Allerdings hat das Wachstum gegenüber dem ersten Halbjahr 2005 deutlich nachgelassen; damals wurden noch 14.493 zusätzliche Betriebe gezählt (14,1 %). Verantwortlich für die geringere Dynamik ist insbesondere die gestiegene Anzahl der Löschungen (8.279 ggü. 5.595 im 1.Hj. 2005), während die Anzahl der Zugänge auch im Berichtszeitraum nur geringfügig gesunken ist und insgesamt auf hohem Niveau bleibt (19.402 ggü. 20.088 im 1. Hj. 2005). Zweieinhalb Jahre nach der Novellierung der Handwerksordnung stoßen immer mehr Betriebe an ihre wirtschaftlichen und finanziellen Grenzen, bei vielen läuft zudem die Ich-AG-Förderung aus. Schon heute liegt die Löschungsquote (Abgänge bezogen auf den Gesamtbestand) fast doppelt so hoch wie im zulassungspflichtigen Handwerk und annährend so hoch wie im handwerksähnlichen Gewerbe.
- Wie in den Vorjahren basiert das erneut starke Wachstum in den zulassungsfreien B1-Handwerken auf nur 7 Gewerken aus den Bau- und den baunahen Handwerksberufen sowie aus den Dienstleistungsbereichen: Sie machen 96,1 % des Betriebszuwachses in den B1-Handwerken und 86,5 % des Wachstums im gesamten Betriebsbestand aus. Nach wie vor dominieren die Zuwächse bei den Fliesenleger-, Platten- und Mosaiklegern (+5.563 Betriebe; +14,5 %) sowie die Gebäudereiniger (+2.281 Betriebe; +11,8 %) die Entwicklung. Allerdings hat sich der absolute Zuwachs nicht nur in diesen beiden Bereichen verlangsamt: Auch in den Gewerken Parkettleger (+488 Betriebe), Estrichleger (+271), Fotografen (+374) sowie Damen- und Herrenschneider (+408) blieb der Betriebszuwachs hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Lediglich bei den Raumausstattern hat sich der Betriebszuwachs gegenüber dem ersten Halbjahr 2005 mit einem Plus von 1.310 Betrieben leicht beschleunigt.
- Auch in der zulassungspflichtigen Anlage A ist der Betriebsbestand im ersten Halbjahr 2006 erneut leicht gestiegen, jedoch auch hier etwas weniger stark als im Vorjahr: 1.997 zusätzliche Betriebe bedeuten ein Wachstum von 0,3 % gegenüber dem Jahresbeginn, der Gesamtbestand beträgt nunmehr 602.284 Betriebe. Im ersten Halbjahr 2005 war der Bestand noch um 2.923 Betriebe oder um 0,5 % gestiegen. Auch in den Anlage-A-Berufen resultiert das Wachstum zum einen aus der vergleichsweise hohen Gründungsdynamik in einigen Bau- und Ausbauberufen, zum anderen hat die anhaltend hohe Anzahl von Neuanmeldungen bei den Friseuren (+1.149 Betriebe) das Wachstum wesentlich mitbestimmt. In anderen Gruppen der Anlage A setzt sich dagegen der seit Jahren zu beobachtende Rückgang der Betriebszahlen - trotz der vereinfachten Zugangsmöglichkeiten - fort. So verbucht das Lebensmittelgewerbe im ersten Halbjahr 2006 einen weiteren Rückgang der Betriebszahlen um 834 Betriebe oder minus 2,1 %.
- In den handwerksähnlichen B2-Handwerken sind die Betriebszahlen dagegen gesunken: Nachdem sich schon in den Vorhalbjahren eine deutliche Verlangsamung der Betriebsentwicklung eingestellt hatte, waren zum 30.06.2006 noch 191.965 Betriebe in die Kammerverzeichnisse eingetragen; dies entspricht einem Rückgang von 840 Betrieben oder einem Minus von 0,4 % im Vergleich zum Jahresanfang. Im ersten Halbjahr 2005 war noch ein Plus von 1.053 Betrieben zu verzeichnen. Dabei dürfte der Rückgang nicht zuletzt auf Umgründungen von der Anlage B2 nach B1 zurückzuführen sein.
- Nicht nennenswert sind weiterhin die Eintragungen von einfachen Tätigkeiten der Anlage A: 118 Zugängen stehen 35 Löschungen gegenüber, so dass Ende Juni lediglich 446 Betriebe registriert waren.
- Der Betriebszuwachs im Gesamthandwerk bleibt im wesentlichen auf die zwei Gewerbegruppen konzentriert, nämlich auf das in den letzten Jahren unter starken Umsatzverlusten und Beschäftigtenabbau leidende „Bau- und Ausbaugewerbe“ sowie auf die Gruppe „Gesundheit und Körperpflege, chemische und Reinigungsberufe“. Hier sind vor allem Friseure, Kosmetiker und Gebäudereiniger stark gefragt.
- Der Andrang von mittel- und osteuropäischen Betrieben ins deutsche Handwerk hält ungebremst an: Im ersten Halbjahr 2006 wurden im Handwerk 5.882 neue Betriebe von Inhabern aus den neuen EU-Mitgliedstaaten eingetragen. Abzüglich der erfolgten Löschungen hat sich seit der Osterweiterung der Europäischen Union bis zum 30.06.2006 ein Bestand von insgesamt 18.663 Betrieben mit Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten aufgebaut. Die absolut meisten Betriebe bestehen in den B1-Handwerken (13.389). Es zeigt sich das gleiche Anmeldemuster wie bei deutschen Betrieben: 8.630 der osteuropäischen Betriebe sind als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger eingetragen und 3.071 als Gebäudereiniger; dieser Bereich gewinnt zunehmend an Attraktivität für die ausländischen Gründer. In den handwerksähnlichen Gewerben sind insgesamt 4.689 osteuropäische Firmen registriert, sie sind zumeist im Holz- und Bautenschutzgewerbe (1.300 Betriebe), für den Einbau genormter Baufertigteile (1.355) oder als Bodenleger (619) eingetragen. Inzwischen finden sich aber auch 335 Kosmetikerbetriebe aus Mittel- und Osteuropa in den Handwerksrollen. In den zulassungspflichtigen Handwerken sind lediglich 573 Betriebe aus Mittel- und Osteuropa eingetragen; diese sind zwar stärker auf die Gewerbe verteilt, es dominieren mit 199 Maurern und Betonbauern sowie 78 Malern und Lackierern aber auch hier die Bau- und Ausbauberufe.
- Die osteuropäischen Inhaber haben sich fast ausschließlich im alten Bundesgebiet angesiedelt. 17.867 Betriebe oder 95,7 % sind in den westdeutschen Kammerbezirken registriert, nur 796 oder 4,3 % in Ostdeutschland.
- Die Gründungen osteuropäischer Firmen im Handwerk machen inzwischen einen beträchtlichen Anteil an der gesamten Betriebsentwicklung aus. Seit der Erweiterung der EU zum 1.5.2004 hat der Betriebsbestand im Handwerk um ca. 78.000 Betriebe zugenommen; davon stammen 18.663 Betriebe oder mehr als jeder Fünfte (23,9 %) aus den neuen Mitgliedstaaten.
Für die Zukunft ist aus mehreren Gründen mit einer weiteren Abschwächung des Betriebswachstums insbesondere in den zulassungsfreien B1 Handwerken zu rechnen. So dürfte zum einen die Anzahl der Existenzgründungen sinken, weil der größte Teil der an einer selbständigen Existenz im Handwerk interessierten Personen den Schritt in die Selbständigkeit mittlerweile vollzogen haben dürfte. Zum anderen ist aufgrund des seit August neu geregelten und restriktiver angelegten Gründungszuschusses zu erwarten, dass die Anzahl der geförderten Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus auch im Handwerk sinkt. Und schließlich dürfte sich auch die in den letzten Jahren zu beobachtende Flucht in die Selbständigkeit abschwächen, sofern die seit Jahresbeginn sehr positive Wirtschaftsentwicklung trotz des im kommenden Jahr absehbaren Dämpfers auch in der mittleren Frist bestehen bleibt. Neben der sinkenden Anzahl der Gründungen wird der Betriebszuwachs in der Zukunft aber vor allem deshalb zurückgehen, weil die Zahl der Marktaustritte aufgrund der geringen Bestandsfestigkeit vieler neu gegründeter Betriebe in den zulassungsfreien B1-Handwerken weiter steigen dürfte, zumal für zahlreiche Betriebe in der kommenden Zeit finanzielle Erleichterungen wie die Ich-AG-Zuschüsse auslaufen.

