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Entwicklung der Betriebsbestände des Handwerks 2008

Gesamtentwicklung

Entgegen der rückläufigen Entwicklung im ersten Halbjahr 2008 sind die Betriebszahlen im Handwerk im Gesamtjahr doch noch gewachsen. Allerdings hat sich das Wachstum weiter verlangsamt, der Betriebsbestand im Handwerk ist nur noch geringfügig angestiegen. Zum 31.12.2008 waren in den Rollen der Handwerkskammern insgesamt 967.201 Betriebe eingetragen. Dies entspricht einem Anstieg von 5.469 Betrieben oder 0,6 Prozent. Zum Vergleich: 2007 waren die Betriebszahlen noch um 1,5 Prozent gestiegen (+14.351 Betriebe), im Jahr 2006 sogar noch um 2,6 Prozent (+24.335 Betriebe). Wie schon im Vorjahr geht der Zuwachs nur noch auf die Anlage B1 zurück, während die Betriebszahlen in den zulassungspflichtigen Anlage-A-Handwerken leicht und in der zulassungsfreien Anlage B2 stärker rückläufig sind. Im Einzelnen stellt sich die Entwicklung wie folgt dar ( Grafik):

  • Anlage B2: In den handwerksähnlichen Gewerben hat sich der Betriebsrückgang beschleunigt. Zum 31.12.2008 registrierten die Handwerkskammern 2.908 oder 1,5 Prozent handwerksähnliche Betriebe weniger als ein Jahr zuvor. 2007 betrug der Rückgang noch 2.040 Betriebe oder -1,1 Prozent. Der stärkere Abbau resultiert vor allem aus der kontinuierlich nachlassenden Gründungsdynamik. Die handwerksähnlichen B2-Handwerke verlieren für Gründer zunehmend an Attraktivität.
  • Anlage A: Auch in den zulassungspflichtigen Handwerken der Anlage A sind die Betriebszahlen erstmals seit der jüngsten Handwerksnovelle rückläufig, allerdings nur leicht. Mit 602.605 Betrieben sind 1.152 weniger eingetragen als vor Jahresfrist; dies entspricht einem Rückgang von -0,2 Prozent. Dafür verantwortlich sind weniger Neuzugänge und mehr Löschungen. Innerhalb der drei Anlagen bleibt das Interesse an einer Unternehmensgründung in den zulassungspflichtigen Handwerken mit knapp 38.000 Zugängen aber immer noch mit Abstand am größten. Allerdings sind erhebliche Unterschiede zwischen den Gruppen festzustellen.
  •  Anlage B1: Dem gegenüber wachsen die zulassungsfreien Handwerke der Anlage B1 weiter; sie alleine sind verantwortlich für das noch verbliebene Wachstum im Gesamthandwerk. Innerhalb eines Jahres sind die Betriebszahlen um 9.542 oder um 5,7 Prozent auf jetzt 175.557 gestiegen. Jedoch hat sich die Dynamik auch in diesem Bereich erheblich verringert. So waren die Betriebszahlen in den B1-Handwerken im Jahr 2007 noch um 16.034 gestiegen, im Jahr 2006 sogar um 20.390 Betriebe. Für das nachlassende Wachstum sind zwei Entwicklungen verantwortlich: Eine weiter steigende Löschungsquote und sinkende Gründungszahlen.
  • Nicht nennenswert waren weiterhin die Eintragungen von einfachen Tätigkeiten in die Anlage A der Handwerksordnung: Ende Dezember 2008 waren lediglich 513 Betriebe registriert, damit 13 weniger als im Vorjahr.
  • Die Eintragungen von mittel- und osteuropäischen Betrieben ins deutsche Handwerk blieben auch 2008 auf hohem Niveau, aber auch hier hat die Dynamik etwas nachgelassen. Mit 10.216 Betriebe wurden rund 1.000 weniger eingetragen als ein Jahr zuvor. Zugleich wurden weit mehr Betriebe als in den Vorjahren aus den Handwerksrollen gelöscht, so dass der Bestand zum 31.12.2008 nur noch leicht auf 30.992 gestiegen ist.

Ausführliche Beschreibung  

1. Entwicklung in den handwerksähnlichen B2-Handwerken  

Seit ihrem Höchststand zum Jahresende 2006 gehen die Betriebszahlen im handwerksähnlichen Gewerbe zurück. Der Rückgang hat sich im Jahr 2008 beschleunigt. Der Betriebsbestand ist zum Jahresende 2008 um 2.906 Betriebe auf nunmehr 188.526 gefallen (-1,5 Prozent). Verantwortlich für die Entwicklung ist vor allem die nachlassende Gründungsdynamik. Während die Löschungen ähnlich hoch ausgefallen sind wie im Vorjahr, wurden erneut deutlich weniger Betriebe neu angemeldet. Alleine in Westdeutschland fehlen über 1.000 Neugründungen im Vergleich zum Vorjahr. In Ostdeutschland waren dagegen Zugänge als auch Abgänge vergleichsweise stabil. Ein Grund für die nachlassende Gründungsdynamik dürfte in der positiven Arbeitsmarktentwicklung liegen: Der Druck zur Aufnahme der Selbständigkeit ist gesunken, da sich wieder viele gute Möglichkeiten einer abgängigen Beschäftigung geboten haben. Ein weiterer Grund dürfte aber darin liegen, dass die B2-Handwerke für die Gründer zunehmend an Attraktivität verlieren, weil sich mit den zulassungsfrei gestellten Handwerken nun Möglichkeiten bieten, einen Betrieb in diesen Berufen zu gründen. ( Grafik)  

Vom Rückgang der Betriebszahlen sind viele Gewerke betroffen, die in der Vergangenheit stark gewachsen sind. Den absolut höchsten Rückgang mit 831 weniger Betrieben als zu Jahresbeginn hatte das Holz- und Bautenschutzgewerbe zu verzeichnen (-3,4 Prozent). Auch die Bodenleger registrierten mit 601 weniger Betrieben ein kräftiges Minus von 3,7 Prozent. Aus der Gruppe der persönlichen Dienstleister mussten die Kosmetikerinnen einen größeren Rückgang um 407 Betriebe hinnehmen (-0,9 Prozent) sowie die Änderungsschneider mit -277 Bertieben (-1,7 Prozent).  

2. Entwicklung in den Anlage-A-Handwerken

Auch im zulassungspflichtigen Vollhandwerk hat sich der Betriebsbestand im Jahr 2008 leicht reduziert. Die Handwerkskammern zählten mit 602.605 genau 1.152 Betriebe weniger als zu Jahresbeginn (-0,2 %). Damit hat sich die Betriebsentwicklung in diesem Bereich weiter beruhigt; schon im Jahr 2007 war nur noch ein minimales Plus von 0,1 Prozent zustande gekommen. Hintergrund für den Rückgang der Betriebszahlen ist eine gesunkene Anzahl an Neugründungen. Während im Jahr 2007 noch knapp 39.000 Zugänge zu der Anlage A zu registrieren waren, sind es im vergangenen rund 1.000 weniger gewesen. Zugleich ist die Anzahl der Löschungen leicht angestiegen. Die nachlassende Gründungsdynamik ist ausschließlich auf das westdeutsche Handwerk begrenzt; dort fehlen im Vergleich zum Vorjahr rund 1.200 Neugründungen, so dass die Betriebszahlen um -0,3 Prozent gesunken sind. In Ostdeutschland lagen sie dem gegenüber sogar um 0,1 Prozent höher. Allerdings bleiben die Berufe der Anlage A unter den drei Anlagen am attraktivsten für Gründerinnen und Gründer. Mit knapp 38.000 Zugängen liegen Sie weit vor den Anlagen B1 und B2.  

Mit den Ergebnissen könnte aber ein Wendepunkt in der Betriebsentwicklung der Anlage A erreicht worden sein, wie die  Grafik illustriert. Während sich die Anzahl der Löschungen seit 2004 bei knapp 40.000 eingependelt hat, nehmen die Gründungszahlen stetig ab. Ein Grund dafür dürfte insbesondere darin liegen, dass die Masse der Altgesellen-Gründungen abgeschlossen ist. Bei einer Fortsetzung dieser Entwicklung wird sich die Schere zwischen Zugängen und Abgängen weiter öffnen. Dann werden die Betriebszahlen - wie schon vor der Handwerksnovelle 2004 - wieder sinken.

Nach wie vor verläuft die Betriebsentwicklung zwischen den Gruppen sehr differenziert. Während die Betriebsbestände in fast allen Gruppen geschrumpft sind, verzeichnet nur die Gruppe Gesundheit, Körperpflege, Reinigungsberufe ein stärkeres Plus. Hier ist es vor allem die immer noch hohe Gründungsdynamik bei den Friseuren, die das Wachstum bestimmt: Zum 31.12. waren erneut 1.548 oder 2,1 % mehr Friseurbetriebe registriert als zu Jahresbeginn.  

Dem gegenüber setzt sich in anderen wichtigen Branchen der Anlage A der Rückgang der Betriebszahlen fort: Im Lebensmittelgewerbe hat sich die Betriebszahl innerhalb von zwölf Monaten um 1.073 Betriebe oder 2,8 % auf noch 36.711 verringert. Während das Fleischerhandwerk schrumpft, konzentrieren sich die Bäcker und eröffnen zugleich eine steigende Anzahl von Filialen. Stärkere Rückgänge sind zudem in den Bauhandwerken festzustellen (Maurer: -833) sowie in den Ausbauhandwerken (Elektrotechniker: -402; Metallbauer: -328).    

3. Entwicklung in den B1-Handwerken  

In den zulassungsfreien B1-Handwerken hält das Betriebswachstum an, es hat aber stark nachgelassen. Während im Jahr 2007 noch 16.034 zusätzliche Betriebe von den Handwerkskammern gezählt wurden, waren es im Berichtszeitraum nur noch 9.542. Das Wachstum hat sich auf 5,7 Prozent reduziert und in der Anlage B1 zu einem Betriebsbestand von 175.557 Betrieben geführt.  

Dabei setzten sich die seit 2006 zu beobachtenden Trends fort. Zum einen ist die Anzahl der Existenzgründungen weiter gesunken: Während im Jahr 2007 noch 36.213 Zugänge registriert wurden, waren es im Berichtszeitraum nur noch 33.506. Für die nachlassende Tendenz dürften die spürbar bessere Konjunktur- und Arbeitsmarktlage sowie die reduzierte Förderung von Gründungen aus der Arbeitslosigkeit heraus verantwortlich sein. Dennoch bleibt das Gründungsgeschehen in B1 weiter auf hohem Niveau. Zum anderen ist die Anzahl der Löschungen gegenüber dem Vorjahr erneut stark gestiegen. Während sich Jahr 2007 genau 20.179 Inhaber haben austragen lassen, waren es nun bereits 23.964. Wie zu erwarten war, sind viele Kleinstgründungen nicht für eine dauerhafte Existenz auf den Märkten ausgerichtet. Sollten sich die Trends fortsetzen, dürfte es im kommenden Jahr nur noch zu einem minimalen Wachstum der Betriebszahlen in der Anlage B1 kommen ( Grafik).  

Nach wie vor bestehen die seit 2004 bekannten Wachstumsmuster, jedoch tragen im wesentlichen nur noch vier Gewerke zum Wachstum bei. Am stärksten hat die Anzahl der eingetragenen Betriebe bei den Gebäudereinigern zugelegt (+3.238), gefolgt von den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern (+2.332) sowie den Raumausstattern (+1.625) und den Fotografen (+1.041). Bei den Estrichlegern (205), den Damen- und Herrenschneidern (299) und den Parkettlegern (386) hat sich das Wachstum sehr stark abgeschwächt. 

Betriebsentwicklung der vier wachstumsstärksten Gewerke in der Anlage B1

Betriebsbestand
Jahresanfang 2008

Betriebszuwachs
1.1.-31.12.2008

Betriebsbestand 31.12.2008

Prozentualer
Zuwachs

Gebäudereiniger

28.024

3.238

31.262

11,6%

Fliesen-, Platten- und Mosaikleger

54.378

2.332

56.710

4,3%

Raumausstatter

18.189

1.625

19.814

8,9%

Fotografen

8.022

1.041

9.063

13,0%

 

4. Eintragungen von Betrieben aus den neuen Mitgliedstaaten der EU  

Auch der Andrang von mittel- und osteuropäischen Betrieben ins deutsche Handwerk hat leicht nachgelassen: Im Jahr 2008 wurden 10.216 neue Betriebe von Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten eingetragen. Ein Jahr zuvor waren es noch 11.269. Die absolut meisten Zugänge waren in der Anlage B1 zu registrieren (7.640), gefolgt von den handwerksähnlichen Gewerben mit 2.297 Betrieben. In den zulassungspflichtigen Handwerken waren dagegen nur 277 Zugänge zu beobachten.  

Vor allem aber sind die Löschungen der mittel- und osteuropäischen Betriebe stark gestiegen, so dass der Bestand zum 31.12.2008 nur noch leicht auf 30.992 gestiegen ist. Zum 31.12.2007 waren 28.032 Betriebe mit Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten eingetragen.  

Die osteuropäischen Inhaber haben sich fast ausschließlich im alten Bundesgebiet angesiedelt. 29.455 Betriebe oder 95,0 Prozent der Betriebe sind in den westdeutschen Kammerbezirken eingetragen, nur 1.537 oder 5,0 % in Ostdeutschland. In allen Bundesländern konzentrieren sich die Gründungen auf die einkommensstarken Metropolen.  

Es zeigt sich das gleiche Anmeldemuster wie bei den deutschen Betrieben: Der größte Betriebszuwachs ist in den B1-Handwerken festzustellen, wo sich bis zum 31.12. ein Bestand von 23.340 Betrieben aufgebaut hat. Darunter waren alleine 13.099 osteuropäische Betriebe als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger eingetragen und 6.810 als Gebäudereiniger.   

 

Betriebe aus den mittel- und osteuropäischen Beitrittsstaaten

Anlage

Zugänge
1.1.-31.12.2008

Bestand 31.12.2008

Bestand 31.12.2008

Bestand 31.12.2008

Bundesgebiet

Bundesgebiet

Westdeutschland

Ostdeutschland

A

277

932

835

97

A eT

2

18

17

1

B1

7.640

23.340

22.301

1.039

B2

2.297

6.702

3.302

400

Gesamt

10.216

30.992

29.455

1.537

 

 


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