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Betriebsentwicklung im Handwerk 2007

Im Jahr 2007 sind die Betriebsbestände im Handwerk weiter angestiegen, das Wachstum hat sich mit 1,5 % gegenüber dem Vorjahr aber weiter verlangsamt. Zum Jahresende 2007 waren bei den 54 Handwerkskammern genau 961.732 Betriebe eingetragen, dies waren 14.351 mehr als zu Beginn des Jahres 2007. Damit hat der seit 2004 zu beobachtende Betriebszuwachs weiter an Dynamik verloren, was sich auch im Vorjahresvergleich zeigt: 2006 waren noch 24.335 Betriebe hinzugekommen (2,6 %). Dabei geht der Anstieg des Gesamtbestandes nur noch auf die zulassungsfreie Anlage B1 zurück, während in der Anlage A eine Stagnation und in der zulassungsfreien Anlage B2 sogar ein nicht unbeträchtlicher Rückgang zu beobachten sind. ( Grafik)

  • Anlage B1: Nach wie vor suchen viele Gründer ihre wirtschaftlichen Chancen in den zulassungsfreien B1-Handwerken. Binnen eines Jahres waren 16.034 zusätzliche Betriebe bei den Handwerkskammern eingetragen. Dies entspricht einem Zuwachs von 10,7 %. Das Wachstum in den B1-Handwerken zeichnet damit ausschließlich für die positive Entwicklung der Betriebszahlen im Gesamthandwerk verantwortlich. Allerdings hat sich auch in diesem Bereich der Zuwachs abgeschwächt: Im Jahr 2006 waren noch 20.390 zusätzliche Betriebe zu registrieren (15,7 %). Für das nachlassende Wachstum ist vor allem die steigende Zahl der Löschungen verantwortlich. Von Jahr zu Jahr wächst die Anzahl der Austragungen beträchtlich an, weil viele der Kleinstgründungen nicht für eine dauerhafte Existenz auf den Märkten angelegt waren bzw. geeignet sind. Inzwischen liegt die Löschungsquote (Löschungen bezogen auf den Gesamtbestand) doppelt so hoch wie in den zulassungspflichtigen Anlage-A-Handwerken. Die Fluktuation in den B1-Handwerken ist dem entsprechend sehr hoch und dürfte in der Zukunft noch steigen. Ungeachtet der steigenden Löschungsquote bleibt das Gründungsgeschehen in den B1-Handwerken aber weiter hoch. Es wurden annähernd so viele Betriebe gegründet wie im Vorjahr. Dabei sind die Betriebszahlen in der regionalen Differenzierung in den westdeutschen B1-Handwerken stärker gestiegen als im ostdeutschen Handwerk. Dafür sind vor allem die zahlreichen Gründungen von Inhabern aus Mittel- und Osteuropa verantwortlich, die sich fast ausschließlich im alten Bundesgebiet angesiedelt haben.
  • Nach wie vor resultiert das Wachstum in den B1-Handwerken aus nur 7 Gewerken der Bau- und der baunahen Handwerksberufe sowie der Dienstleistungsbereiche: Sie machen 96,3 % des Betriebszuwachses in den B1-Handwerken aus. Dabei dominieren nach wie vor die Anmeldungen bei Fliesenlegern sowie bei den Gebäudereinigern die Entwicklung. Während aber die Zuwächse bei den Fliesenlegern (+6.455 Betriebe) gegenüber dem Vorjahr um rund ein Drittel nachgelassen haben, sind die Betriebszahlen im Gebäudereinigerhandwerk mit 4.332 zusätzlichen Einheiten fast genauso stark gewachsen wie vor einem Jahr. Bei den Fotografen hat sich das Wachstum mit einem Plus von 872 Betrieben im Vergleich zum Vorjahr sogar leicht beschleunigt. Auch in den übrigen der sieben Gewerke sind die Betriebszahlen gestiegen, das Wachstum hat aber ggü. dem Vorjahr jeweils deutlich nachgelassen, so bei den Raumausstattern (+2.183 Betriebe), den Parkettlegern (+780), den Damen- und Herrenschneidern (+486) sowie den Estrichlegern (+340). ( Tabelle
  • Im zulassungspflichtigen Vollhandwerk der Anlage A hat sich der Betriebsbestand im Jahr 2007 nur marginal erhöht. Mit 603.757 Betrieben waren 314 oder 0,1 % mehr Betriebe zu zählen als zu Jahresbeginn. Damit hat sich die Betriebsentwicklung beruhigt. Hintergrund ist vor allem das Nachlassen der Gründungsdynamik. Dabei verläuft die Betriebsentwicklung zwischen den Bundesländern differenziert: Während die neuen Länder noch einen Zuwachs von 0,6 % verbuchten, sind die Bestände in den alten Ländern um 0,1 % gesunken. Auch in den Gruppen sind erhebliche Unterschiede festzustellen: Während die Betriebszahlen in fast allen Gruppen geschrumpft sind, verzeichnen nur  das Bau- und Ausbaugewerbe ein leichtes sowie die Gruppe Gesundheit, Körperpflege, Reinigungsberufe ein stärkeres Plus. Hier ist es vor allem die ungebrochene Gründungsdynamik bei den Friseuren, die das Wachstum bestimmt: Zum 31. Dezember waren erneut 1.693 oder 2,3 % mehr Friseurbetriebe registriert als zu Jahresbeginn. Bei den Baubetrieben verzeichneten vor allem die Dachdecker (2,5%) und die Zimmerer (1,9%) größere Zuwächse. Dem gegenüber setzt sich in anderen wichtigen Branchen der Anlage A der Rückgang der Betriebszahlen fort: Im Lebensmittelgewerbe hat sich der Bestand innerhalb von zwölf Monaten um 1.187 Betriebe oder -3,0 % auf noch 37.784 verringert. Dahinter stehen sowohl Konzentrations- als auch Schrumpfungsprozesse.
  • Im handwerksähnlichen Gewerbe ist der Betriebsbestand erstmals seit Aufnahme der bundesweiten Berichterstattung um 2.040 Betriebe oder -1,1 % gesunken. Zum 31.12. waren noch 191.434 Betriebe eingetragen. Dabei war die Mehrzahl der Gewerke von Rückgängen betroffen, am stärksten das Holz- und Bautenschutzgewerbe (-1.084 Betriebe), die Bodenleger (-679)  und die Fuger im Hochbau (-577). Lediglich die Kosmetiker, Eisenflechter und Kabelverleger erzielen ein nennenswertes Wachstum. Allerdings hat sich auch das zuvor rasante Wachstum bei den Kosmetikern deutlich abgeschwächt. Für viele der Abgänge in den Gewerken Schnellreiniger und Teppichreiniger sowie Änderungsschneider dürften auch Umgründungen von der Anlage B2 in die Anlage B1 verantwortlich sein.
  • Nicht nennenswert waren weiterhin die Eintragungen von einfachen Tätigkeiten in die Anlage A der Handwerksordnung: Ende Dezember 2007 waren lediglich 526 Betriebe registriert, damit 43 mehr als im Vorjahr.
  • Auch im Jahr 2007 konzentrierte sich der Betriebszuwachs damit im wesentlichen auf lediglich zwei Gewerbegruppen: Auf die Bau- und Ausbauhandwerke sowie auf die Gruppe „Gesundheit und Körperpflege, chemische und Reinigungsberufe“. Allerdings hat sich in allen bisher das Wachstum treibenden Gewerken die Dynamik abgeschwächt.
  • Entgegen dem nachlassenden Wachstum in den Anlagen A und B1 sowie der Schrumpfung in der Anlage B2 hält der Andrang von mittel- und osteuropäischen Betrieben ins deutsche Handwerk nahezu ungebremst an: Im Jahr 2007 wurden 11.269 Betriebe von Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten eingetragen (2006: 11.604). Die absolut meisten Zugänge waren in der Anlage B1 zu registrieren (8.606), gefolgt von den handwerksähnlichen Gewerben mit 2.375 Betrieben. In den zulassungspflichtigen Handwerken waren dagegen nur 285 Zugänge zu beobachten. Abzüglich der erfolgten Löschungen hat sich seit der Osterweiterung der Europäischen Union bis zum 31.12.2007 ein Bestand von insgesamt 28.032 Betrieben mit Inhabern aus den neuen Mitgliedstaaten aufgebaut. ( Tabelle)

Auch für die Zukunft ist aus mehreren Gründen mit einem weiteren Nachlassen des Betriebswachstums zu rechnen. So dürfte zum einen die Anzahl der Existenzgründungen weiter sinken, weil ein großer Teil der an einer selbständigen Existenz im Handwerk interessierten Personen den Schritt in die Selbständigkeit mittlerweile vollzogen haben dürfte. Zum anderen wird die Zahl der Marktaustritte weiter ansteigen, sowohl wegen der geringen Bestandsfestigkeit in den zulassungsfreien Bereichen, als auch wegen der wieder gestiegenen Erwerbsmöglichkeiten in abhängiger Beschäftigung.


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