Inhalt
Entwicklung der Betriebsbestände des Handwerks 2005
Betriebsentwicklung 2005 | ||||||
Anlage | Bestand am 1.1.2005 | Zugänge | Abgänge | Bestand am 31.12.2005 | Absoluter Zuwachs | Relative Veränderung |
A | 595.309 | 46.014 | 41.036 | 600.287 | 4.978 | 0,8% |
A eT | 207 | 234 | 78 | 363 | 156 | 75,4% |
B1 | 102.568 | 39.104 | 12.081 | 129.591 | 27.023 | 26,3% |
B2 | 189.216 | 30.563 | 26.974 | 192.805 | 3.589 | 1,9% |
Gesamt | 887.300 | 115.915 | 80.169 | 923.046 | 35.746 | 4,0% |
Gesamtentwicklung
Im Jahr 2005 ist der Betriebsbestand im Handwerk weiter stark gewachsen. Zum Jahresende 2005 waren bei den 54 Handwerkskammern insgesamt 923.046 Betriebe eingetragen, damit 35.746 Betriebe mehr als zu Jahresbeginn (+ 4,0 Prozent). Im Vergleich zum Jahr 2004, als 40.712 zusätzliche Betriebe gezählt wurden, ist nur eine leichte Abschwächung der Wachstumsdynamik festzustellen. Diese resultiert aus einer weniger starken Zunahme sowohl in den Anlage-A-, als auch in den Anlage-B2-Handwerken, während sich der Betriebszuwachs in den B1-Handwerken nahezu unverändert stark fortgesetzt hat.
- Auch im zweiten Jahr nach der Novellierung der Handwerksordnung wurde das starke Wachstum der Betriebszahlen vor allem von den zulassungsfreien B1-Handwerken bestimmt. Dort sind die Betriebsbestände binnen Jahresfrist um 27.023 Betriebe oder um 26,3 % auf einen Gesamtbestand von inzwischen 129.591 Betriebe gestiegen. Damit gehen 75,6 % des gesamten Betriebszuwachses im Jahr 2005 alleine auf die Anlage B1 zurück. Im Vergleich zum Jahr 2004, als 27.628 zusätzliche B1-Betriebe registriert wurden, hat sich die Wachstumsdynamik nur geringfügig abgeschwächt. Erwartungsgemäß ist es dabei zu einem starken Anstieg der Abgänge gegenüber dem Vorjahr gekommen: Während im Jahr 2004 erst 6.889 Betriebe wieder abgemeldet worden sind, haben im Jahr 2005 bereits 12.081 Betriebe ihre Eintragung löschen lassen. Die Zahlen bestätigen die befürchtete geringe Stabilität der neuen Unternehmensgründungen: Bereits jetzt liegt die Löschungsquote deutlich höher als im zulassungspflichtigen Handwerk. Allerdings ist es zugleich auch zu einer deutlichen Steigerung bei den Zugängen gekommen: Während im Jahr 2004 34.517 Zugänge in den B1-Handwerken registriert wurden, waren es im Jahr 2005 genau 39.104. Dabei haben sich die Zugangszahlen in den alten Bundesländern stark erhöht (von 27.012 auf 32.228), während sie in den neuen Ländern sogar zurückgegangen sind (von 7.505 auf 6.876). Hintergrund für die Verlangsamung im Osten dürfte zum einen die seit dem letzten Jahr erforderliche Vorlage eines Geschäftsplans für Ich-AG-Gründer sein, zum anderen erste Anzeichen einer Marktsättigung. Im alten Bundesgebiet hat dem gegenüber die hohe Anzahl von Betriebsgründungen aus Mittel- und Osteuropa diese Wirkungen überkompensiert und zur starken Steigerung beigetragen.
- Wie im Vorjahr geht das erneut kräftige Wachstum in den zulassungsfreien B1-Handwerken auf nur 7 Gewerke aus den Bau- und den baunahen Handwerksberufen sowie aus den Dienstleistungsbereichen zurück: Sie machen 94 Prozent des Betriebszuwachses in den B1-Handwerken aus und 71 Prozent des Wachstums im gesamten Betriebsbestand. Dabei dominieren nach wie vor die Anmeldungen bei Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern (+12.720 Betriebe; +49,8 %) sowie bei den Gebäudereinigern (+6.161 Betriebe; +46,9 %) die Entwicklung. Starke Zuwächse verzeichneten zudem die Raumausstatter (+2.470), die Parkettleger (+1.250), die Estrichleger (+848), Fotografen (+960) sowie Damen- und Herrenschneider (+978).
- Auch in der Anlage-A ist der Betriebsbestand im Jahr 2005 weiter gestiegen, jedoch etwas weniger stark als im Vorjahr: 4.978 zusätzliche Betriebe bedeuten ein Wachstum von 0,8 % gegenüber dem Jahresbeginn, der Gesamtbestand beträgt nunmehr 600.287 Betriebe. Im Jahr 2004 war der Bestand um 7.547 Betriebe gestiegen. Trotz der leichten Wachstumsverlangsamung bleibt das Interesse an der Gründung von Betrieben, für die ein Qualifikationsnachweis erforderlich ist, hoch. Auch in den Anlage-A-Berufen resultiert das Wachstum vor allem aus der hohen Gründungsdynamik in den Bau- und den baunahen Berufen. Darüber hinaus hat die anhaltend hohe Gründungsdynamik bei den Friseuren das Wachstum mitbestimmt.
- Verlangsamt hat sich auch der Betriebszuwachs in den B2-Handwerken: Zum 31.12.2005 waren 192.805 Betriebe in den Kammerverzeichnissen eingetragen, dies entspricht einem Zuwachs von 3.589 Betrieben oder 1,9 %. Im Jahr 2004 hatten sich die Betriebsbestände noch um 5.330 Betriebe erhöht (2,9 %).
- Weiterhin nicht nennenswert sind die Eintragungen von einfachen Tätigkeit der Anlage A: Zum Jahresende waren 363 Betriebe registriert.
- Der Betriebszuwachs im Gesamthandwerk konzentriert sich im wesentlichen auf lediglich zwei Gewerbegruppen, nämlich auf die Bau- und Ausbauhandwerke und auf die Gruppe „Gesundheit und Körperpflege, chemische und Reinigungsberufe“, bei denen Friseure, Gebäudereiniger und Kosmetiker hohe Betriebszuwächse verzeichnen. Allein auf diese beiden Gruppen entfallen 74,8 % des Betriebszuwachses.
- In der regionalen Betrachtung bleibt der enge Zusammenhang zwischen Betriebswachstum und Arbeitslosigkeit bestehen, allerdings ist eine Veränderung zu beobachten: Das noch im Vorjahr sehr hohe Wachstum bei den B1-Handwerken in den neuen Bundesländern hat im Berichtszeitraum etwas nachgelassen, es bleibt aber bezogen auf die Bevölkerung höher als in Westdeutschland. Dort hat der Betriebszuwachs in der Anlage B1 weiter zugenommen, was nicht zuletzt auf die hohe Anzahl von Neugründungen aus den mittel- und osteuropäischen Staaten zurückzuführen ist. Sie konzentrieren ihre Aktivitäten fast ausschließlich auf das alte Bundesgebiet.
- Insgesamt haben 10.735 Inhaber aus den EU-Beitrittsländern im Jahr 2005 einen Betrieb im Handwerk angemeldet. Eineinhalb Jahre nach der Osterweiterung der Europäischen Union hat sich damit ein Bestand von 14.324 Betrieben aus Mittel- und Osteuropa aufgebaut. Die absolut meisten bestehen in den B1-Handwerken (9.887). Es zeigt sich das gleiche Anmeldemuster wie bei deutschen Betrieben: 6.398 der osteuropäischen Betriebe sind als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger eingetragen und 2.274 als Gebäudereiniger. In den handwerksähnlichen B2-Gewerben sind insgesamt 3.961 osteuropäische Firmen registriert, sie haben sich zumeist im Holz- und Bautenschutzgewerbe (1.179 Betriebe), für den Einbau genormter Baufertigteile (1.052) oder als Bodenleger (505) eintragen lassen. Die 461 osteuropäischen Betriebe in den zulassungspflichtigen Handwerken sind zwar stärker auf die Gewerbe verteilt, es dominieren mit 149 Maurern und Betonbauern sowie 72 Malern und Lackierern aber auch hier die Bau- und Ausbauberufe.
- Bezogen auf den gesamten Betriebszuwachs im Handwerk seit der Erweiterung zum 1. Mai 2004 (62.887 Betriebe) haben die mittel- und osteuropäischen Betriebe einen Anteil von 22,8 Prozent. Mehr als jeder Fünfte zusätzliche Betrieb kommt aus den neuen Mitgliedstaaten.
Auch im zweiten Jahr nach der Novellierung der Handwerksordnung ist somit ein anhaltender Schub an Neuanmeldungen von Betrieben festzustellen, die vielfach ohne Qualifikation der Inhaber und subventioniert durch Existenzgründungszuschüsse den Wettbewerb um das rückläufige Marktvolumen im Handwerk verschärfen und mit kostengünstigeren Angeboten den Druck auf die bestehenden Betriebe verstärken. Dadurch droht ein weiterer Verlust von sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung im Handwerk. Dabei haben sich die Befürchtungen im Hinblick auf eine nur unzureichende Bestandfestigkeit der Kleinstgründungen ohne fachspezifische Qualifikation und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Ausbildungsleistung im Handwerk bestätigt: Trotz 27.023 neuer Betriebe und obwohl alle 53 zulassungsfrei gestellten Berufe in der Anlage B1 auch Ausbildungsberufe sind, ist der Rückgang bei den Neuverträgen doppelt so hoch wie in den Anlage-A-Handwerken.
Betriebsentwicklung im Handwerk (alle Anlagen) 1996 - 2005 (pdf | 13.5 KB) [ Grafik
Betriebsbestand Anlage A nach Bundesländern - 31.12.2005 (pdf | 38.6 KB) [ Grafik
Betriebsbestand Anlage B1 nach Bundesländern - 31.12.2005 (pdf | 45.5 KB) [ Grafik
Betriebsbestand Anlage B2 nach Bundesländern - 31.12.2005 (pdf | 41.5 KB) [ Grafik
Prozentuale Verteilung der Betriebe auf die Anlagen dr HwO - 31.12.2005 (pdf | 15.3 KB) [ Grafik

