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Betriebsentwicklung im Handwerk 2004 - Kurzkommentierung
Nachdem die Anzahl der Betriebe in Folge der Novellierung der Handwerksordnung schon im ersten Halbjahr 2004 stark angestiegen war, setzte sich der Betriebszuwachs im zweiten Halbjahr noch leicht beschleunigt fort.
- Zum Jahresende 2004 wächst der Betriebsbestand im Gesamthandwerk gegenüber dem 01.01.2004 um 4,8 % oder um 40.712 Betriebe. Damit werden zum 31.12.2004 genau 887.300 Betriebe gezählt.
- Die steigenden Betriebszahlen resultieren vor allem aus einem starken Zuwachs in den zulassungsfreien B1-Handwerken, in denen Ende Dezember 36,9 % mehr Betriebe als zum Jahresanfang eingetragen sind. Der Betriebsbestand in den zulassungsfreien B1-Handwerken ist binnen Jahresfrist um 27.628 Betriebe auf nunmehr 102.568 Betriebe angestiegen
- Wie schon im ersten Halbjahr konzentrierte sich der Zuwachs in den B1-Handwerken auch im Gesamtjahr 2004 allerdings auf nur 7 Gewerke aus den Bau- und baunahen Handwerksberufen sowie den Dienstleistungsbereichen. Der stärkste Anstieg war bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern festzustellen: In diesem Gewerk sind innerhalb eines Jahres mehr Betriebe hinzugekommen, als am Jahresanfang bundesweit existiert haben (+13.144 Betriebe, +106,0 %). Eine relativ ähnlich starke Entwicklung ist auch bei den Gebäudereinigern festzustellen, bei denen bis zum Jahresende 6.269 zusätzliche Betriebe registriert wurden (+ 91,2 %). Neben diesen dominierenden Gewerkeentwicklungen waren in den B1-Handwerken aber auch starke Betriebszuwächse bei den Raumausstattern, Parkettlegern, Fotografen, Damen- und Herrenschneidern sowie den Estrichlegern festzustellen.
- Allein diese sieben Gewerke machen 94,0 % des Betriebszuwachses in den zulassungsfreien B1-Handwerken aus und zeichnen für 63,8 % des Zuwachses im Gesamthandwerk verantwortlich. Mit vielen Eintragungen in den B1-Handwerken dürften lediglich zuvor schattenwirtschaftliche Tätigkeiten legalisiert worden sein, zudem sind viele Eintragungen in Kombination mit einer Ich-AG-Förderung oder mit Überbrückungsgeld erfolgt. Darüber hinaus sind viele der neu registrierten B1-Betriebe durch Staatsangehörige aus den neuen Mitgliedsländern gegründet worden. Sie nutzen die mit der Novellierung der Handwerksordnung vereinfachten Zugangsmöglichkeiten zum Handwerk und unterliegen als 1-Personen-Unternehmen nicht den in bestimmten Sektoren vereinbarten Beschränkungen der Dienstleistungsfreiheit.
- Neben dieser das Gesamthandwerk maßgeblich prägenden Entwicklung bleibt festzuhalten, dass die Betriebszahlen auch in übrigen Anlagen leicht angestiegen sind. So wurden in den 41 zulassungspflichtigen Gewerken der Anlage A der Handwerksordnung - entgegen dem leicht rückläufigen Trend der Jahre 2000 bis 2003 - 7.547 oder 1,3 % mehr Betriebe gezählt als zum Jahresbeginn 2004. Das Wachstum ist nicht zuletzt auf die mit der Novellierung der Handwerksordnung eingeführte Altgesellenregelung zurückzuführen. So wurden bereits im ersten Halbjahr 2004 rund 2.400 Altgesellenbetriebe bei den Kammern eingetragen. Auch wenn sich diese Entwicklung im zweiten Halbjahr fortgesetzt haben dürfte, bleibt festzuhalten, dass es vor dem Hintergrund der gesamten Betriebszahl in Anlage A nicht zu einem Ansturm bei dieser Zugangsmöglichkeit gekommen ist. Auch in den Anlage A-Handwerken konzentrieren sich die Betriebszuwächse auf wenige Berufe der Bau- und der Ausbauhandwerke (Installateur und Heizungsbauer, Maurer und Betonbauer, Maler und Lackierer, Elektrotechniker, Zimmerer und Dachdecker) sowie auf die Friseure, die den stärksten Zuwachs verbucht haben (+2.251 Betriebe).
- In den zulassungsfreien Gewerken des handwerksähnlichen Gewerbes (Anlage B2) sind die Betriebszahlen im Jahr 2004 um 2,9 % oder um 5.330 Betriebe auf jetzt 189.216 Betriebe angestiegen. Damit hat sich die im ersten Halbjahr 2004 noch moderate Betriebsentwicklung (0,5 % Zuwachs) im zweiten Halbjahr 2004 spürbar beschleunigt. Der Zuwachs basiert im wesentlichen auf zwei Gewerken: So wurden im Kosmetikerhandwerk bundesweit 3.519 zusätzliche Betriebe gezählt (+ 10,4 %), hinzu kommen 2.106 Betriebe im Bereich „Einbau genormter Baufertigteile“ (+ 4,9 %).
- Nicht nennenswert ist weiterhin die Nachfrage nach Eintragung einfacher Tätigkeiten in die zulassungspflichtige Anlage A. Zum 31.12.2004 lagen bundesweit nur 207 Eintragungen vor.
- Im Hinblick auf die Qualifikationsstrukturen bestätigen sich die Befürchtungen: In den zulassungsfreien B1-Handwerken erfolgten 81,3 % aller Zugänge im Jahr 2004 ohne eine fachspezifische Qualifikation der Gründer. Lediglich 12,0 % der Gründer haben die Gesellenprüfung, nur 6,6 % können eine Meisterprüfung oder eine zur Meisterprüfung vergleichbare anderweitige Qualifikation vorweisen. Damit hat sich die schon im ersten Halbjahr eingesetzte Dequalifizierungsspiralenochmals leicht verstärkt: Damals erfolgten 77,8 % aller B1-Anmeldungen ohne fachspezifische Qualifikation.
- Langfristig ist eine Annäherung an die noch schlechteren Qualifikationsstrukturen in den handwerksähnlichen B2-Handwerken zu befürchten: Dort wurden 93,0 % aller Eintragungen ohne eine fachspezifische Qualifikation vorgenommen.
Grafik: Entwicklung des Betriebsbestandes im Gesamthandwerk 1996-2004 (pdf | 53.1 KB) [
Grafik: Betriebsbestand Anlage A nach Bundesländern - 31.12.2004 (pdf | 110.4 KB) [
Grafik: Betriebsbestand Anlage B1 nach Bundesländern (pdf | 96.1 KB) [
Grafik: Betriebsbestand Anlage B2 nach Bundesländern - 31.12.2004 (pdf | 90.6 KB) [
Grafik: Prozentuale Verteilung der Betriebe auf die Anlagen der HwO - 31.12.2004 (pdf | 49.4 KB) [ 
