Inhalt
Betriebsentwicklung 1. Halbjahr 2004 - Kurzkommentierung
Die Novellierung der Handwerksordnung hatte sechs Monate nach Inkrafttreten spürbare Auswirkungen auf die Entwicklung der Betriebsbestände im Handwerk.
Im Zuge der Novellierung der Handwerksordnung mussten die Betriebsstatistiken des Handwerks an die neuen Anlagen der HwO angepasst werden. Zudem wurden mit den Qualifikationsstrukturen und den Eintragungsgründen neue Statistiken eingeführt, um die Wirkungen der Novellierung von Beginn an nachvollziehen zu können. Die Umstellung und Ausweitung der organisationseigenen Statistiken hat funktioniert: So liegen für die Betriebsstatistiken nunmehr absolute Werte vor, für die neu eingeführten Statistiken konnten die meisten Kammern termingemäß Ergebnisse bereitstellen, so dass entsprechende Zahlen hochgerechnet werden können. In diesem Zusammenhang danken wir den Handwerkskammern und den regionalen Handwerkskammertagen ausdrücklich für die tatkräftige Unterstützung bei der Erstellung der Statistiken. Als Anlagen zu diesem Schreiben übermitteln wir Ihnen die detaillierten Betriebsstatistiken einschließlich einer Übersichttabelle zu Ihrer Kenntnisnahme.
Die Novellierung der Handwerksordnung hatte sechs Monate nach Inkrafttreten spürbare Auswirkungen auf die Entwicklung der Betriebsbestände im Handwerk:
- Der Betriebsbestand im Gesamthandwerk wächst gegenüber dem 31.12.2003 um 1,9 % oder um 16.231 Betriebe. Damit sind zum 30.06. genau 862.891 Betriebe in den Rollen eingetragen.
- Der Zuwachs resultiert aus einem starken Zulauf in den zulassungsfreien B1-Handwerken, in denen Ende Juni 15,7 % mehr Betriebe registriert sind als zum Jahresende 2003: Der Betriebsbestand ist um 11.759 Betriebe auf 86.699 angestiegen.
- Der Zuwachs in den B1-Handwerken konzentriert sich allerdings auf nur sieben Gewerke aus den Bau- und den baunahen Handwerken sowie aus den Dienstleistungsbereichen. So war der mit Abstand stärkste Anstieg der Betriebszahlen bei den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern (+5.868 Betriebe, +47,3 %) sowie bei den Gebäudereinigern (+2.502 Betriebe, +36,4 %) zu beobachten. Daneben waren Raumausstatter, Parkettleger, Estrichleger, Damen- und Herrenschneider sowie Fotografen für den starken Zuwachs in den zulassungsfreien B1-Handwerken verantwortlich.
- Allein diese sieben Gewerke machen insgesamt 94,5 % des Zuwachses in den B1-Handwerken und 68,5 % des Zuwachses im Gesamthandwerk aus. Mit vielen dieser Eintragungen in den B1-Handwerken dürften allerdings lediglich zuvor schattenwirtschaftlich ausgeübte Tätigkeiten legalisiert worden sein, zudem ist wahrscheinlich, dass zahlreiche Betriebe in Kombination mit einer Ich-AG-Förderung aus der Arbeitslosigkeit heraus gegründet wurden.
- Allerdings ist auch der Betriebsbestand in den zulassungspflichtigen Anlage-A-Handwerken - entgegen dem Trend der vergangenen 4 Jahre – leicht gestiegen: 3.506 zusätzliche Betriebe bedeuten ein Wachstum von 0,6 % gegenüber dem Jahresende 2003. Es waren insgesamt 591.268 Betriebe eingetragen. Für die anziehende Entwicklung in den Anlage-A-Handwerken ist u. a. die Altgesellenregelung verantwortlich; in bisher 38 meldenden Handwerkskammern wurden bis Ende Juni über 2.100 Altgesellenbetriebe eingetragen. Festzuhalten ist aber auch, dass es nicht zu einem „Run“ bei dieser Zugangsmöglichkeit gekommen ist.
- In den handwerksähnlichen B2-Handwerken ist der Betriebsbestand nur geringfügig gewachsen (0,5 %, um 845 auf 184.731). Damit setzt sich die in den vergangenen Jahren zu beobachtende Entwicklung von sich abschwächenden Wachstumsraten fort.Erst in den kommenden Jahren wird sich zeigen, wie bestandsfest die neuen Betriebe ohne Qualifikation sind: Zu erwarten ist, dass die Abgangsraten in der Zukunft stark zunehmen werden und dass auch das quantitative Wachstum der Betriebszahlen nachlässt. Wir werden die weitere Entwicklung mit Ihrer Unterstützung sorgfältig beobachten und regelmäßig darüber informieren.
- Nicht nennenswert ist die Nachfrage nach Eintragung einfacher Tätigkeiten in die Anlage A: Zum 30.06. lagen bundesweit nur 121 Eintragungen vor. Sie konzentrierten sich auf die vier Berufe Maler und Lackierer (27 Fälle), Metallbauer (18), Informationstechniker (14) und Kfz-Techniker (14). In vielen Handwerkskammern ist keine Nachfrage nach Eintragung einfacher Tätigkeiten festzustellen.
- Die befürchtete Dequalifizierungsspirale in den jetzt zulassungsfreien B1-Handwerken hat unmittelbar mit der Novellierung eingesetzt. So erfolgten 77,8 % aller Zugänge in den B1-Handwerken ohne fachspezifische Qualifikation. Nur 6,1 % der neu eingetragenen Betriebe verfügen über einen Betriebsinhaber oder Geschäftsleiter mit Meisterbrief, 1,9 % mit einer vergleichbaren Qualifikation und 14,2 % mit zumindest einer Gesellenprüfung.
- Dabei ist zu erwarten, dass sich das zulassungsfreie B1-Handwerk zukünftig noch stärker an die Verhältnisse im handwerksähnlichen Gewerbe annähert: Im ersten Halbjahr 2004 waren 94,6 % aller Zugänge in den handwerksähnlichen B2-Gewerben ohne fachspezifische Qualifikation.
Grafik: Entwicklung des Betriebsbestandes im Gesamthandwerk 1996 - 1.HJ 2004 (pdf | 48.4 KB) [
Grafik: Betriebsbestand Anlage A nach Bundesländern 1. HJ 2004 (pdf | 104.2 KB) [
Grafik: Betriebsbestand Anlage B1 nach Bundesländern 1. HJ 2004 (pdf | 87.9 KB) [
Grafik: Betriebsbestand Anlage B2 nach Bundesländern 1. HJ 2004 (pdf | 82.5 KB) [
Grafik: Prozentuale Verteilung der Betriebe auf die Anlagen der HwO - 1. Hj 2004 (pdf | 48.4 KB) [ 
